Der Astrologe hält sich also an Sternenprozesse. Er ist sozusagen der Kenner der Himmelschemikalien, angewendet auf die Chemie des Menschenkörpers. Wie es kluge und unkluge Chemiker gibt, gibt es natürlich auch kluge und unkluge Astrologen.

Die Indier, die Araber, die Ägypter, die unter wolkenloserem Himmel geboren sind als wir, und die die Sterne in mehr Nächten des Jahres studieren konnten als wir, haben in ältester Zeit, wie jeder weiß, die größten Fortschritte in der Beobachtung des Himmels gemacht. Auf der Reise um die Erde wurde ich an einigen indischen Fürstenhöfen in geräumige, besonders für die Astrologie gebaute Höfe geführt, wo große gemauerte Instrumente verteilt waren, die heute noch, wie seit urältester Zeit, den Messungen und der Sternenkunde dienten.

Ob es Wert hat, die beeinflußten Lebenstage, die guten oder bösen, eines Menschenlebens aus den Sternen vorauszubestimmen, das wird jeder bei sich selbst fühlen müssen. Nicht jeder trägt Verlangen, die Stunden wissen zu wollen, die ihm schädlich oder günstig sind.

So wie heutzutage der Bauer und der Luftschiffer und der Seemann, ehe sie an die Arbeit gehen, das Voraussagen der Wetterwarten und das Wetterglas gern in Anspruch nehmen, so mag es auch wohl Menschen geben, die, so wie es die alten Griechen, Ägypter und Römer taten, die ihnen günstigen Sternstunden wissen wollen, ehe sie sich zu irgendeinem wichtigen Entschluß aufmachen. Da alle Dinge im Leben ihre unreifen, ihre reifen und überreifen Stunden und ihre welken Stunden haben, so wird der, der nicht selbst einen starken Instinktblick hat, zu Hilfsmitteln greifen, die seine Instinkte unterstützen. Der starke Instinktsmensch aber wird ohne Sterndeutung auskommen. Ein starker Bauer, ein Flieger oder ein Seemann, welcher die Wetterbestimmung im Instinkt und in der Erfahrung, sozusagen im Blut sitzen hat, dieser Starke wird sich nicht um die nicht immer sicheren Wetterwartenvoraussagungen kümmern. —


Als ich nun in London täglich mit dem amerikanischen Ehepaar über Astrologie und andere okkultistische Wissenschaften eingehend sprach, wendete sich mein Sinn, der sich vorher seiner zeitgemäßen wissenschaftlichen Aufklärung und Überwindung mittelalterlicher Mystik gefreut hatte, diesen Gesprächen von Tag zu Tag aufhorchender zu.

Ich mußte mir beschämt sagen, wir hatten in den deutschen Schulen unserer Neuzeit, in denen ich aufgewachsen war, blindlings den über Astrologie nicht unterrichteten Lehrern die Verachtung der Astrologie ablernen müssen. Wir Schüler waren in diesem wie in vielen anderen Weltanschauungsgedanken dumm gemacht worden von Unaufgeklärten, und man verblieb gedankenlos sein Leben lang in dieser blinden Verachtung stecken, die man fälschlich für die höhere Aufklärung einer neuen Zeit gehalten hatte.

Die Lehrer hatten mit dem Satz: keiner kann die Zukunft wissen, die Astrologie ist etwas Übernatürliches, und mit Übersinnlichem geben wir neuzeitlichen Menschen uns nicht mehr ab, — die Astrologie rasch abgetan. Dieses mußte ich den beiden amerikanischen Okkultisten zugeben.

Die beiden Amerikaner wiederholten mir fortwährend: die Astrologie ist keine übersinnliche Kraft. Es wird bei der Astrologie mit natürlichen Kräften hantiert. So natürlich wie man mit dem Zucker sich den Tee versüßen kann und mit dem Salz den Tee ungenießbar machen kann, so natürlich ist die Sterndeutung. Die Wetterkarte der Wetterwarten und die Sternkarte der astronomischen Warten sind anerkannte wissenschaftliche Tatsachen, und nur auf Tatsachen, nicht auf Übersinnlichkeiten oder Übernatürlichkeiten, stützt sich auch die Astrologie.

Und da ich für Lebensbeobachtung bin und für Lebensbereicherung eintrete, wurde mir, als ich alles dieses ruhig und es nicht blind ablehnend überdachte, die Wissenschaft der Astrologie verständlich. Ich begriff, daß sie ungefähr den Wettervorausberechnungen gleichkommt.