Und die beiden guten Menschen bedauerten lebhaft, daß mir gar nicht anders zu helfen wäre als durch Geduld und starkes Wünschen. Und sie wollten mit mir wünschen, daß ich recht bald glücklich werden sollte.

Aber es ging auch in meinen Ohren immer die Rede mancher anderen Menschen um: „Ein Dichter soll frei bleiben. Ein Dichter soll sich an keine Frau binden. Der Dichter gehört der Welt, und er zerstört sich als Dichter, wenn er einen Hausstand gründet.“

Diese Aussprüche erregten in mir manchen Zweifel gegen mein Wünschen. Und die Zweifel, ob ein Dichter glücklich werden würde, wenn er eine Frau fürs Leben an sich gebunden hat, bedrängten mich in jenem Frühjahr, nachdem ich von London in Berlin angekommen war, so stark, daß die Zweifel kräftiger wurden und mit dem Herzenswunsch täglich zu ringen begannen. Und aus diesem Ringen zwischen Liebessehnsucht und Zweifel entstand in jenen Monaten ein kleines Versdrama „Sun“, das ich in Berlin schrieb.

Eindrücke, die ich noch von Bohuslän in mir trug, und die Seereise nach England mit dem Blick auf die Fischerboote bei der Mündung der Themse verdichteten sich zu einem Seebild. Und ich wollte in dem Drama Menschen schildern aus dem Anfang der christlichen Zeit, da Christentum und Heidentum noch im Volksgeist schwankend lebten.

Ich verlegte die Handlung an einen See in ein Pfahlbaudorf. Der junge Fischer, den ich „Sun“ nannte — der Name ist das englische Wort für Sonne —, war ich selbst, und ich verkleidete mich in die Vorstellung, ein Skalde, ein Volkssänger, in jenem Pfahlbaudorf zu sein.

Die Brüder hassen Sun, weil sie glauben, daß er ein Zauberer sei. Sie sagen, er könne den See, die Fische und das Wasser behexen. Denn Sun spricht mit allen Dingen. Auch nachts, wenn er im Mond auf der Altane des Pfahlbaues sitzt, spricht er mit dem Mond, mit den Wellen und mit den Mondschatten. Und am Tag neigt er sich zu den Gräsern und spricht mit dem Grase, spricht mit dem Holunderbaum, spricht mit der Morgensonne. Und wenn er draußen im Boot liegt, über den Bootsrand gebeugt, fängt er keine Fische wie die anderen Leute, aber er spricht mit den Fischen und mit den Wasserpflanzen.

Man sagte, er lege sich auch oft ins Boot zurück und spräche mit den Wolken und berede den Wind. Aber es sind nicht Reden, wie sie andere sprechen, die er da hält. Er summt und singt, als wäre er der Herr aller Dinge oder, als gehöre er mit allen Dingen zusammen. Lautlos kann er stundenlang so still liegen. Dann hört er allen Dingen zu und hört alles, behaupten seine Brüder.

Und seine Brüder beredeten den Mönch, der mit anderen Mönchen vor Jahren an den See gekommen war und das Pfahlbaudorf bereits bekehrt hatte, er, der Christenpriester solle Sun aus seiner Sippe austreiben. Damit der Zauberer nicht die Fischzüge störe und das Wetter nicht nach Belieben bestimme.

Aber in der Zeit, da die Brüder fortgegangen waren, um den Mönch zu holen und die Sippe, schlich sich in Suns Haus die junge Tochter eines anderen Pfahlbauers. Und sie traf den Skalden, der heimgekommen war vom See, und sie verstand plötzlich, geweiht von ihrer Liebe zu ihm, den Holunderbaum, der im Abend sang, und die Wellen und die Sonnenlichter. Aller Dinge Sprache verstand sie vom Augenblick an, als der junge Skalde seinen Arm um sie legte und sie an sich zog. Denn Sun liebte das Mädchen seit langem.

Sie aber war gekommen, um ihn vor seinen Brüdern zu warnen. Sie sagte ihm, während heute die Hagelwolke über den See niedergeprasselt sei und er ungestört auf dem See im Kahn weitergesungen habe, ohne sich von Hagel und Sturm stören zu lassen, hätten seine Brüder ihn laut für einen Zauberer erklärt. Denn die Brüder seien von Haß und Neid erfüllt über seine Friedlichkeit und Ruhe.