„Sind Sie ohne Sorge,“ sagte ich, „es wird ein schönes Kunstwerk, irgendeine künstlerische Eingebung aus dem Teppich und aus dem Rubinglas Ihrem Manne gegeben werden.“

„Ja, das sage ich mir auch,“ meinte die junge Frau aufatmend, „und das tröstet mich auch. Es ist ja eigentlich auch keine Verschwendung von meinem Manne, da sich solche Ausgaben immer wieder bei ihm künstlerisch umsetzen. Aber augenblicklich hätten wir den Monatsgehalt nötiger gehabt als den Teppich und das venezianische Glas.“

Die Frau des Künstlers hatte verständig als Künstlerfrau und verständig als junge Mutter gesprochen. Die Liebe zu ihrem Mann hatte ihr tiefes Verständnis für seine Handlungen gegeben, und die Liebe zu ihren Kindern gab ihr aber auch zugleich die laute Klage auf die Lippen. Man hörte ihr aber an, sie wußte nicht recht, durfte sie klagen oder nicht. —

Tritt die Verschwendung in anderen Gesellschaftsklassen nicht in wilderer Art auf? Die Verschwendung des Künstlers setzt sich stets in neue Eingebungen um. Die Verschwendung aber in anderen Kreisen bleibt barer Schaden, ohne daß er sich in Gewinn umsetzt. Und wie klein sind im Grund die Verschwendungen, die sich ernste Künstler leisten oder geleistet haben, im Verhältnis zu dem Aufwand, den Offiziere, Beamte und Kaufleute über ihre Verhältnisse wagen!

Auch ist ein ernster Künstler immer mehr von seinem Gewissen geplagt als irgendein anderer Mensch. Und die meisten Künstler, die ich traf, haben weniger Luxusschulden gemacht als Schulden, die den Lebensunterhalt betrafen.

Ich habe aber nie einen ernsten Künstler getroffen, der das Leben nicht schwer genommen hätte. —

Man könnte falscherweise annehmen, ich hätte, wenn ich von ehrender Versorgung sprach, die dem Künstler die Heimatstadt und der Staat bieten sollten, gemeint, man sollte die Künstler äußerlich auffallend ehren. Dieses aber wäre das schrecklichste Leid, was man dem stillen Künstler antun könnte. Es gibt zum Beispiel nichts Störenderes für den echten Künstler, als wenn er mit Nachfragen, Aussprüche zu fällen, Vereinen beizutreten, Bild und Autogramme zu liefern und ähnlichen Verlangen geehrt wird. Möglichst unauffällig, möglichst unsichtbar und möglichst unbeobachtet will und soll der ernste Künstler seine Werke schaffen.

Wohl sehnt jeder Künstler sich nach Beifall und Widerhall und freut sich, wenn seine Arbeiten ihm die Herzen seines Volkes zuführen. Aber nicht in auffallender Ehrung und nicht auf seine Person soll und will der echte Künstler die Anerkennung hingelenkt wissen.

Der Künstler will und soll immer hinter seinen Werken zurücktreten. Nur auf diesem bescheidenen Platz wird er sich ewig fruchtbar fühlen. Darum sichert ihm sein Leben, sichert ihm Wanderfreiheit, nehmt ihm die Alltagssorge ab! Aber krönt ihn erst nach seinem Tode, zerrt ihn nicht bei Lebzeiten aus seiner Verinnerlichung heraus in die verflachende Öffentlichkeit.

In alter Zeit, wenn in Japan der Kaiser in seiner Sänfte durch die Straßen getragen wurde und reiste, da war es bei Todesstrafe verboten, daß ihn das Auge eines seiner Untertanen ansah, ihn, den Sohn des Himmels. Die Menschen mußten sich alle mit der Stirn auf die Erde neigen, und niemand im Volk hatte je den Kaiser gesehen, und nirgends durfte ein Bildnis von ihm hergestellt werden.