„Denn ein Dichtergeist,“ fuhr die Stimme in mir selbstbewußt fort, „arbeitet nicht für Taglohn. Er läßt sich nicht rufen, er läßt sich nicht Kanzleistunden vorschreiben. Da er aus dem Reich der Unwirklichkeit kommt, kann er sich nicht mit deiner Wirklichkeit, mit deiner Hungerfrage, mit deiner Zeitfrage, mit deinen körperlichen endlichen Lebensfragen beschäftigen und nicht Rücksicht auf deine Endlichkeit nehmen.
Der Dichtergeist ist der Hall deiner Ewigkeit, der in dir laut wird; lauter im Dichter als in den anderen Menschen. Er erhebt deine Gefühle ins Unendliche und will deinen Worten Rhythmen geben, nicht Zeitmaße der nützlichen Zeit. Unwirkliche Zeit, Ereignisse der Vergangenheit und Zukunft können dir in der Dichtung Gegenwart werden, wenn du den Dichtergeist in seiner Unendlichkeit aus dir singen läßt.
Willst du ihn aber zum Lastknecht, zum Gegenwartsknecht machen, der deinen Magen ernähren soll und deinem Körper Behaglichkeit bringen soll, dann treibst du diesen Geist aus dir aus. Dann bleiben nur Reste von ihm in dir, und die werden nur halbe Werke leisten, Endlichkeitswerke. Mit ihnen wirst du kein Glück machen, denn der unbefangene Leser wird sie immer als Reste erkennen, und die Welt hat das Recht, deinen ganzen Dichtergeist zu fordern.“
„Aber ich kann mein begehrendes Herz nicht verstoßen,“ sagte ich zum Geist der Dichtung, der so zu mir sprach. „Ich liebe und will die Geliebte ernähren können.“
„Nimm dir Geduld,“ sagten Herz und Geist zu mir, „denn wir sind unzertrennlich aneinander gebunden. Ohne Herz gibt es keinen Dichtergeist. Er ist die Flamme, die nur vom liebenden Herzen gespeist wird.“ —
Da mir mein Vater nicht raten und nicht helfen konnte und mir ebenfalls von Geduld und Zeit sprach, und daß ich die Hoffnung nicht sinken lassen sollte, beschloß ich, nicht mehr nach Schweden zurückzukehren, und war müde gemacht von der Aussichtslosigkeit, von der ich kein Ende sah.
Und ich nahm mir vor, um meine Gedanken von meiner innersten Sehnsucht abzulenken, eine Reise zu Fuß nach Italien zu machen.
Ich wollte von München nach Rom wandern. Und da ich immer gern Landschaften zeichnete, kaufte ich mir frische Farben und Papierblocks und wollte unterwegs zeichnen und malen und diese Malereien am Weg verkaufen und so bis nach Rom kommen.
Aber mein Schicksal ließ mich von München nur bis Schliersee kommen. In Schliersee wohnte damals in einem kleinen Bauernhause am Bergabhang über dem See der schwedische Schriftsteller Ola Hanson mit seiner Frau. Und es kam mir die Lust an, diesen zuerst zu besuchen und dann erst die Fußreise nach Italien anzutreten.