Ich besuchte in jener pariser Zeit 1896/97 auch öfters das eben erst eröffnete Museum Guimet, das beim Trocadero liegt, und darin ein reicher Franzose ungeheure Schätze asiatischer Kunst angesammelt hat. Chinesische und japanische Kunstgewerbegegenstände waren da und große Götterbronzen, viele vergoldete Buddhas, auf riesigen vergoldeten Lotosblumen sitzend, und wunderbares asiatisches Lackgerät für Haus und Tempel, ebenso eine reiche asiatische Bilder- und Porzellansammlung.

Hier erwachte die Lust zu meiner späteren Weltreise zum erstenmal, als ich mich sehnte, des Friedens jener Völker teilhaftig zu werden, die da im kleinsten nicht bloß Nützliches tun, sondern nützlich Schönes, die als Buddhisten mit allem Weltalleben festlicher verkehren, weil sie sich nicht höher stellen wollen und sich nicht hochmütig besser zu sein dünken als die mitlebenden Lebewesen des Alls.

Ich sehnte mich, jene Völker aufzusuchen, die so gesittet und klug denken und sich jahrhundertelang künstlerisch geschult und bereichert haben und künstlerischen Verkehr übten mit allen Weltalldingen durch beschauliches Sichvertiefen in die Natur. Jene Völker waren nicht bloß den Menschen, sondern auch den Pflanzen und den Tieren vor ihren Fenstern und Türen vertrauliche Kameraden geworden, da sie herzliche Bewunderer sind allen Lebens.

Die Volksmassen der Europäer haben es hingegen hauptsächlich nur zu wissenschaftlichem Ergründen und Bewundern des Lebens gebracht. Über die Wissenschaft hinaus, zur Kunst, zur künstlerischen Vertiefung, wohin alle Leute in Japan und China durch ihre buddhistische Weltauffassung gekommen sind, davon sind unsere breiten Volksmassen noch weit entfernt.

Nur eine Schar von künstlerisch Gebildeten und nur die Künstler weisen in Europa von Jahr zu Jahr mehr darauf hin, mit dem Weltalleben künstlerischen festlichen Verkehr zu pflegen, was seit der Heidenzeit bei uns nicht mehr der Fall gewesen ist.


Das Atelier in Paris, in dem meine Frau und ich wohnten, lag in einer Sackgasse, in welcher sich viele Ateliers befanden, und wo fast nur Künstler und Künstlerinnen hausten, Amerikaner, Franzosen, Deutsche und Skandinavier. Dieser glasbedeckte Raum lag in einem freundlichen sauberen Gartenhof und grenzte mit der Rückwand an einen großen Klostergarten, dessen Bäume wir nachts durch die Wand rauschen hörten, und dessen singende Vögel uns morgens beim Erwachen ihre frohen Gedanken gaben.

Die Mauer jenes Klostergartens lief außen am Boulevard Raspail entlang. Sie war hoch, und ich habe nie in diesen Garten hineinsehen können. Er ist für meine Augen unsichtbar geblieben und baute sich nur vor meinen Ohren in der Sonnenstille des Tages und in der Sommerstille der Nächte auf.

Im Atelier war hoch oben unter der Decke ein kleines Luftfenster, das nicht größer war als die Blätterhand einer Kastanie, und durch dieses handgroße Viereck leuchtete die Sonne durch das Kastaniengrün herein zu uns und gab einen Schimmer der Gartenwelt.