Phallus steigt über die Leichen der Jugend und tritt in den größten Saal jenes Hauses ein. Dieser Saal ist in der Mitte durch eine Glaswand geteilt, und hinter dem Glase leben die letzten Töchter der Menschen, von den Männern getrennt, in einem Spiegel.
Scharen sterbender junger Männer, die sich die Stirn an der harten Glaswand eingerannt haben, liegen vor diesem Spiegel verblutend auf den Fliesen des Saales.
Phallus sieht staunend die Scharen der Sterbenden, die nicht zu den Töchtern des Landes gelangen konnten, und er sieht auf die letzten Töchter der Menschen, die hinter der Glaswand lächeln und sich schmücken und unberührt bleiben vom Massentod der jungen Männer.
Da schüttelt ein ungeheures Mitleid das Herz des jungen Gottes Phallus, und da er nicht die unzerbrechliche eisige Glaswand zerschlagen kann, die die jungen Männer von den Frauen trennt, so stemmt er seine Arme gegen das Dach des Saales, zerbricht die Decke und ruft die Sonne herein, die dann mit ihrem Weltfeuer den großen Spiegel, in dem die letzten Töchter der Menschheit wohnen, zerschmilzt.
Aber die jungen Mädchen lassen sich nicht durch des jungen Gottes Gewalt fangen. Sie lachen höhnisch auf, und sie machen sich alle unsichtbar. Denn sie hatten das Unsichtbarmachen erlernt, das der Gott Phallus nicht kannte.
Der junge Gott, der schon glaubt, die Töchter des Menschen zu fassen, steht allein im leeren Saal, wo das geschmolzene Glas seine nackten Sohlen verbrennt. Er aber achtet nicht der Brandwunden. Er ruft laut die Töchter der Menschen. Aber diese bleiben unsichtbar und fliehen ihn.
Doch die lebenskräftigen Rufe des Gottes erwecken die Scharen der jungen toten Männer, die auf den Treppen aufstehen und erstaunt den weltkräftigen Gott vor sich sehen. Aber auch sie flüchten alle erschrocken vor seiner Kraft.
Phallus legt sich am Abend auf einen Berg zum Schlafen nieder. Der Berg erglüht von des Gottes Hitze und speit Rauch und Feuer und wird ein Vulkan.