Die Männer beschlossen, den schlafenden Gott zu binden und zu töten. Doch Phallus schläft tief und glühend in glühenden Wolken, und keiner der Menschen kann sich ihm nahen.

Der junge Gott wandert fort über die Erde und besucht alle Geschöpfe. Und er schafft den Wolken Töchter, den Adlern Söhne und den Eichen Töchter, und die Sturmfrau gebiert von ihm Söhne. Er bevölkert mit seinen sagenhaften Gestalten die Erde, und allen seinen Geschöpfen gibt er silbernes klares Blut. Und mit Wohlgefallen begegnet er überall auf den Bergen und in den Wäldern seinen Geschöpfen, die sich vermehren und sich lieben.

Nur die letzten Menschentöchter konnte Phallus nicht zur Liebe bewegen. Das Menschengeschlecht ist am Aussterben. Die letzten Männer der Menschen schlafen einsam an trüben Seen, und einsam in hohlen Bergen liegen die Töchter der Menschen. Aber sie sind alle mit Kleidern aus Sorgengarnen bekleidet und wissen nichts mehr vom nackten Menschenleib.

Einmal liegt Phallus in einer Nacht schlafend auf jenem rostigen Berg, in dessen Innern die letzten Menschenfrauen wohnen. Sie, die kaltblütig Denkenden, fühlen, wie sich der Berg erwärmt, und denken alle sofort, daß es nur der Gott Phallus sein könne, der in der Nähe ist und die Steine erwärmt.

Sie erschrecken und teilen sich gegenseitig ihre Furcht mit. Phallus aber hört, auf dem Berg liegend, durch den erwärmten Felsen ihre feigen Reden. Zugleich hört er auch über sich das Gespräch eines Adlerknaben, der um die Tochter einer Wolke wirbt, und er hört, wie jeder von beiden stolz erzählt, daß sein Vater der Gott Phallus ist.

Als der Adlerknabe erfährt, daß die Wolkentochter silbernes Blut besitze wie er, will er, daß sie ihm das Blut in ihren Adern zeigen soll. Sie soll mit ihm hinunter ins Tal an den Salzsee kommen, wo die finsteren Männer der Menschen, die letzten, um ein Feuer schlafen. Dort soll sie sich vor das Feuer stellen, damit sie, durchleuchtet, ihm das silberne Blut in ihrem Leibe zeige. Dann wollte er sie immer lieben, immer küssen, wenn sie vom selben Stamme sei wie er.

Und Phallus sieht sich um und sieht, wie überall unter den Geschöpfen, die er geschaffen, rund auf der Erde die Liebe herrscht, nur nicht bei den letzten Menschen.

Und wie der Gott noch auf dem Berge liegt und horcht, stürzt plötzlich einer der Götterboten, mit Namen Hilferuf, herauf vom See und erzählt Phallus, indessen vor Schrecken die Wolken erstarren, daß die metallgierigen letzten Menschen unten am See zwei seiner Geschöpfe, den Adlerknaben und die Tochter der Wolke, getötet haben, um das Silber aus ihren Adern zu fangen.

Phallus springt auf, und unter ihm schreit die erschrockene Erde. Er flucht den letzten Menschen, und sein gewaltiger Götterfluch erschlägt die letzten unsichtbar fliehenden Männer und Frauen. Das Unsichtbarwerden nützt ihnen nichts mehr. Die Menschheit verzehrt eine rächende Nacht.