Dann steht Phallus auf der menschenleeren Erde allein. Sein Fluch hat alles Leben vernichtet. Auch seine Geschöpfe sind zu Asche verbrannt unter dem furchtbaren Fluch.

Phallus weint sechs Tage, sechs Nächte. Seine Träne steht still am siebenten Tag, und Phallus ruht auf verwitterter Erde.

Die Erde gibt ihm ihren weisen Rat. Der Einsame soll sich nach seiner Herzlust ein Weib wünschen, wie es ihm sein Herz befiehlt. Denn einem Herzwunsch müssen die Sonnen gehorchen.

Und Phallus wünscht und ruft seinen Herzschrei ins Weltall. Die beiden Riesen Urklang und Urlicht, die die Sonnenfeuer schüren und die Sterne rollen, und die dem Urleib der Welt dienen, hören am Feuerherd den Schrei, den Phallus auf Rat der Erde, die mit großer Weisheit zu ihm gesprochen hatte, zu den Sonnen gerufen hat. Unter diesem Schrei stürzen betäubt die ältesten Riesen des Weltalls, Urlicht und Urklang, geblendet nieder. Und das Feuer der Sonne schrumpft ein, so daß die Sonne verdunkelt und die Erde aufschreit, weil ihre Tierherden und ihre Wälder sterben.

Phallus bittet die Riesen, ihm das Weib zu geben, nach dem seine Sehnsucht ruft.

Da beraten alle Sonnen, denn sie müssen zittern vor einem echten Herzschrei, und sie müssen antworten. Und sie versprechen Phallus einen neuen Stern zu bauen. Auf diesem wollen sie sein Weib, das sie ihm erschaffen wollen, wandeln lassen. Dort auf dem rundesten Stern soll er sie besuchen. Und sein Weib, geboren aus Himmel und Erde, werde ihm heiter drei Söhne gebären. Die Namen der Söhne sind Bildner, Pfeifer und Träumer.

Und die Sonne verspricht, Phallus Söhnen drei Bräute zu senden. Die Namen der drei Bräute sind: Lichtlust, Klanglust, Mär.

Die drei Söhne des Phallus und die drei Töchter der Sonne sollen dann der Erde neue Menschen schaffen, Menschen nach heiligen Maßen, nach Linien der Mutter.

„Und nun, Phallus, freue dich und entzünde die verdunkelte Sonne mit deiner Freude. Komm in den heiligen Garten, wohin alle Straßen der Erde münden, und finde das Ende der schmerzlichen Welt. Dort unter Lauben aus seltenem Laub finde dein Weib.

Ihre Brüste sind wie ein Paar Honigäpfel, und ihre Augen sind wie zwei dunkle Teiche, auf deren Tiefe das Alter der Erde und das Alter der Sonne geschrieben steht. Ihr Leib aber ist wie ein Garten, und ihre Adern sind heiße Bäume. In ihrem Herzen münden feurig alle Straßen der Erde. Bei ihr findest du das Ende der schmerzlichen Welt.“