Und Phallus betrachtet sein Weib und nennt sie Herzfreude und umarmt sie. Sie gebiert ihm drei Söhne. Als die Söhne heranwachsen, hören sie ein Seufzen und ein Schluchzen im Schlaf in jeder Nacht. Sie klagen dies dem Vater. Er erzählt ihnen, daß das die Erde sei, die sie klagen hören. Die Erde wolle Menschen.

Da verlangen die Söhne, daß der Vater sie zur Erde bringe. Sie wollen der einsamgewordenen Erde wieder neue Menschen erschaffen.

Der Vater aber sagt ihnen: „Wenn ihr einmal zur Erde gekommen seid, könnt ihr nie mehr das Auge eurer Mutter fassen. Nie seht ihr wieder solch rundes Auge.“

Aber die Söhne bestehen darauf, daß der Vater sie zur Erde führe.

Darauf erzählt ihnen Phallus, daß sie dort drei Jungfrauen der Sonne finden werden. Diese Jungfrauen sollen sie zu Bräuten nehmen.

Auch die Mutter umarmt ihre Söhne zum Abschied und gibt ihnen Ratschläge. Sie sagt ihnen, daß auf Erden der Wurm Tod wohnt und die Schlange Unheil. Und sie müßten diesen beiden göttliche Gestalt geben und müßten dem Tod ein Lächeln und die eisernen Sohlen der Notwendigkeit geben und das Unheil als einen in Ketten wandernden Schattenkönig ansehen. Sie werden auch auf der Erde die Mutter Erdlust und ihre vier Töchter finden: Erdfeuer, Fleischlust, Blutbrand und Gürtellos. Sie sollen mit den Töchtern der Erde drei Nächte im Maimond tanzen und drei Nächte im Herbstmond, und weiter ratet die Mutter den Söhnen:

„Und seid ihr auf Erden angekommen, nie backt dort Ziegel vom Staub eurer Brüder, nie näht von Maulwurffellen euch Mützen. Schneller geht nie als im Takt eurer Herzen, aber schaut tiefer als euer Auge.“

Phallus führt die Söhne zur Erde. Dort gibt er ihnen drei Hengste, stählerne Hengste, die vom Urblau geworfen wurden. Sie heißen Eifer. Und Phallus füttert sie mit Blitzen. Auf diesen Hengsten sollen Phallus’ Söhne die Töchter der Sonne erjagen, die auf goldenen Stuten vor ihnen fliehen.

Zwölf Monde jagen die Söhne des Phallus hinter den Jungfrauen her, bis sie sie erreichen und die Frauen ihnen fürs Leben in Liebe zu Willen sein wollen.