In dieser Not kam aber auch wirklich ein unerwarteter Helfer. Wir bekamen ein Telegramm aus Havre, daß mein Freund, der junge Philosoph, der eben als Schiffsarzt aus Japan zurückkam, nachdem er vorher in Brasilien gewesen war, in einer Stunde in Paris ankommen würde.

Er kam und half dann, ohne sich zu verwundern. Und als er am nächsten Tag wieder abreiste, weil sein Schiff von Havre weiterfuhr, hatten wir wenigstens für einige Zeit wieder das Hungergespenst verschwinden machen können.

Einige Wochen später, im Herbst 1896, sagte uns eines Tages ein Telegramm, daß mein Vater gestorben sei, und nun reiste ich zum erstenmal mit meiner Frau nach Deutschland.

Ich muß aber noch berichten, daß in jenen schweren pariser Sorgentagen sich in mir immer mehr und mehr der Gedanke entwickelte, daß ich mich mit meiner jungen Frau vor der so anstrengenden und kostspieligen und, wie mir immer schien, unnützen europäischen Kultur zurückziehen wollte, um irgendwo als Landmann oder Gärtner, in der Natur, in einer Landschaft, meinen Unterhalt zu suchen. Und ich machte jetzt oft mit dem amerikanischen Ehepaar Pläne dieser Art.

Die beiden Amerikaner hatten öfters im Sommer in weltentlegenen Bretagnedörfern gewohnt, hatten dort manches Mal ein kleines leeres Fischerhäuschen gemietet und waren genügsam mit wenigem Hausrat ausgekommen. Sie fanden, daß Fischnahrung und Brot zum Leben vollkommen ausreichend wären. Man könne vielleicht nebenbei Geflügelzucht als ständige Erwerbsquelle anlegen und wäre dann nicht angewiesen auf Kunsthändler und Verleger und auf Bitten um Unterstützung bei Freunden und Verwandten.

Der Gedanke leuchtete mir ein. Es schien mir, als müßte es nicht so unmöglich sein auf diese Weise, wenn auch bescheiden, so doch endlich sorgenfreier zu leben. Ich wollte den Aufenthalt am Meer und die Einsamkeit in großer Landschaft, auch bei anspruchsloser Nahrung, mit Freuden wählen, wenn ich dadurch sorgenfrei werden würde und künstlerisch unabhängig arbeiten könnte.

Wir sagten uns, wir könnten mit Büchern und Zeitschriften, die wir uns kommen lassen wollten, in einer Fischerhütte geistig an der Welt beteiligt bleiben und würden körperlich frisch bleiben durch einige Landarbeit, und würden dann freie stolze Künstler sein können, die nicht mehr von Gnaden leben müßten und dann auch nicht unter Demütigung der geldverdienenden Kreise zu leiden hätten.

Früher, wie ich noch nicht meine Lebensgefährtin gefunden, hatte ich nur vorübergehend die Landeinsamkeit vertragen. Herzunzufriedenheit und Blutunruhe hatten mich immer wieder zum Suchen nach Menschen in die Städte und unter Menschen zurückgetrieben. Jetzt aber, da mein Herz und mein Blut zufrieden waren, fehlte mir nichts als Ruhe vor äußeren Sorgen, damit ich meine volle Kraft der Dichtung widmen konnte; denn die Heimatsehnsucht glaubte ich überall überwinden zu können.

Nach langen Besprechungen schlug ich den Amerikanern vor, nicht nach der rauhen Bretagne zu gehen, sondern in ein wärmeres Klima, wo die Früchte der Erde uns unter leichterer Landarbeit den Lebensunterhalt geben würden, und wo wir dann mehr Zeit für die künstlerischen Arbeiten behalten würden.

Wir dachten an den Genfersee, wo es üppige Gärten gibt und Weinland. Aber die Erdarbeit schien dort zu hart für uns Künstler zu sein und zu viel Zeit zu beanspruchen. Dann dachten wir an die Riviera, an Korsika, Spanien oder Sizilien. Und der Amerikaner schlug amerikanische Südstaaten vor, und seine Frau, Theodosia, die in der Nähe von San Franzisko geboren war, schlug Kalifornien vor als das leichteste Arbeitsland und als bestes Land für Gartenfrüchte.