Sie haßten das Müssen und die Notwendigkeit der Arbeit. Sie sprangen nicht lebensfroh zu bei der Arbeit. Arbeit war ihnen noch erniedrigend und war ihnen nicht voll Weihe und Lust und war ihnen nicht etwas Selbstverständliches, Natürliches. Sie wußten nicht, wie es dem ganzen Weltall natürlich ist, zu arbeiten.

Die Menschen von damals hatten sich ausgedacht, daß die Arbeit eigentlich ein Fluch wäre, eine Plage, eine Qual, eine Demütigung. Und sie hatten sich furchtbar geschädigt durch diese falsche Auffassung dieses wichtigen Lebenspulses.

Arbeitet nicht die Sonne und dreht sie sich nicht immer und kommt und geht ununterbrochen? Arbeiten nicht alle Sterne immer, die da kreisen und seit Millionen Jahren ohne auszuruhen arbeiten? Arbeiten nicht alle Pflanzen, die sich aufbauen und blühen und sich nähren müssen? Arbeiten nicht die Bäume, die da Früchte hervorbringen, vom Frühling bis zum Herbst? Arbeiten nicht alle Tiere? Arbeiten nicht die Meere, die ihre Strömungen haben, die Flüsse, die unaufhaltsam vorwärts treiben?

Arbeitet nicht der Menschenleib stündlich mit seinem Herzen, mit seinen Lungen, mit seinem Blut? Und warum wollt ihr Menschen eure Hände lahm liegen lassen und eure Füße nicht rühren, eure Gehirne nicht anstrengen, euer Herz nicht fühlen lassen, da es dem ganzen menschlichen Körper wohl tut, wenn er arbeitet.

Jeder Mensch soll natürlich nur nach seiner Veranlagung arbeiten. Nur dann wird er der Menschheit nützlich sein können, nur dann, wenn er das tut, wozu er sich befähigt fühlt. Nichts soll er versuchen, was außerhalb der Grenzen seiner Fähigkeiten liegt.

Aber im Kreis seiner Fähigkeiten wird er die Arbeit immer festlich und glücklichmachend empfinden müssen. Das Märchen, das die Arbeit als einen Fluch ansieht, das ist ein irreführendes Märchen. Denn ein festliches Dasein ohne Arbeit gibt es nicht im Weltall.

Nur ein Mensch, der das Leben nie vollständig ergründet hat, nur die Menschheit der früheren Jahrhunderte, die nicht wie wir bis zur Erkenntnis der Festlichkeit des arbeitenden Daseins, der Festlichkeit des arbeitenden Weltallebens durchgedrungen war, konnte sich nach Himmeln ohne Arbeit sehnen. Himmel ewiger Ruhe sind Todeshimmel.

Hat es uns jemals geschmerzt, daß wir atmen dürfen? Wenn wir gesund sind, wollen dann nicht Glieder, Blut und Geist tätig sein? Daß kranken Menschen Arbeit schwer ankommen mag, ist selbstverständlich. Ihnen kommt vielleicht auch das Atmen schwer an und das Leben überhaupt. Den Gesunden aber wird immer das Leben ein Weltfest sein, ebenso wird ihnen die Arbeit ein Fest sein, die ein Teil des Lebensfestes ist.

In meiner Jugend war in den reichen Kreisen die Ansicht maßgebend, daß Nichtstun höchste Lebensweisheit und Lebensschönheit sei. Niemand hatte zwar jemals versucht, ewiges Nichtstun zu erleben, aber alle träumten von diesem unmöglichen Ideal, das ein falsches und blödes Ideal war. Denn im fortgesetzten Nichtstun, das fühlt jeder bald, siechen Körper und Geist dahin, und der Mensch verdirbt und verfault und wird Unrat.