Und ich sagte: „Wir müssen uns ins Leben finden. Wenn die europäische Kultur uns auch quält, wir müssen uns einordnen in die europäische Art und Weise.“
Da sich mein Gehirn auf der Sizilienreise an vielen neuen Landschaftsbildern gesättigt hatte, waren mir die Wünsche nach Landeinsamkeit vorläufig zurückgedrängt worden, was aber die beiden Amerikaner gar nicht begreifen wollten.
Sie hatten ihr Atelier aufgegeben, und James verhandelte bereits über seinen Häuserverkauf in Neuyork. Sie ließen mir beide deutlich durch Ausdruck und Worte verstehen, daß sie glaubten, das väterliche Erbe, das ich erhalten, habe mich bequem gemacht. Und ich fühlte, daß die Freunde mich nicht mehr als Freund achten könnten, wenn ich nicht festhielte an dem in den armen Tagen gefaßten Entschluß, einer falschen Kultur den Rücken zu kehren und von der Hände Arbeit auf dem Lande zu leben und so, bei Gartenarbeit und Geflügelzucht, ein von Verlegern und Zeitschriften unabhängig arbeitender Dichter zu werden.
Sie hatten beide als Amerikaner keine Ahnung vom echten Bauernstand, der aus den Unergründlichkeiten des Heimatbodens aufgewachsen und mit den Eigenarten des Erdstrichs, den er Jahrhunderte bearbeitete, dem Schoß seiner Heimaterde angehört, und dessen Lebensart nicht von jedem beliebigen Fremden nachgeahmt werden kann.
So wie die eingestammten Pflanzenarten, Steinarten, Tierarten eines Landstriches nicht beliebig verpflanzt werden können, so stellt der Bauer auf dem angestammten Boden eine erdgeheiligte Menschenart dar. Der Fremde, der sich neben dem Bauer eines Landteiles niederlassen will und von einer anderen Bodenart geboren wurde, er wird ewig dem Bauer des Landes fremd bleiben. Und es müssen erst Jahrhunderte vergehen, bis Kinder und Kindeskinder, vielleicht durch vielfache Blutmischung mit den Eingeborenen, ihre fremde Art verloren haben und von dem betreffenden Erdstrich als Zugehörige anerkannt werden können. Da hilft kein Wille und kein Geist, die Anpassung wird nie künstlich erreicht. Aber dieses begriffen die Amerikaner nicht.
Als Künstler brauchte ich die Heimat und die Zugehörigkeit zu meinem angestammten Land. Das hatte mir die alte Kultur in Sizilien eingegeben, sowohl die sizilianischen Katzen auf den Türschwellen, als die alte arbeitende Frau auf der Altane in Taormina.
Das sagten mir auch jetzt in Paris die uralten Kleingewerbe, die auf hundertjährige Überlieferungen zurückschauten, das sagten mir die steinernen Königinnen am Teich des Luxemburgparkes, das sagte mir das uralte Schloß, der Louvre, und die Schlösser der pariser Umgebung, aus deren ehrwürdigen Steinen mich die Geschichte des französischen Volkes und sein Alter und seine Arbeitstätigkeit immer als den Ausländer und den Fremden ansahen, und mir begreiflich machten, daß ich als Deutscher nach Deutschland gehörte.
Auch wenn ich meine blonde Frau betrachtete, redeten ihr Haar und ihre helle Haut von germanischen Ländern und germanischer Heimat. Ihr Haar war goldgelb wie das Tannenharz und ihr Auge silbrig grün wie leichte Birkenblätter und ihre Haut weiß rosig wie Birkenrinde, beschienen vom Sonnenaufgang.