Ich hörte wieder aufmerksamer dem immer noch pläneschmiedenden Amerikaner zu. Diesem hatte ich erklärt, daß ich seit jener Reise nach Petersburg und seit der Heimfahrt zur Beerdigung meines Vaters mir klar gemacht habe, daß ich niemals ohne meine Muttersprache, ohne Deutsch sprechen zu hören, mich auf die Dauer irgendwo fest niederlassen könnte. Es sei mir bewußt geworden, daß ich nicht lange mehr im Ausland leben könne und nicht daran denken könne, Deutschland für immer zu verlassen und mich in anderssprechenden Ländern anzukaufen.
Da schlug der Amerikaner mir vor, wir sollten alle nach den Südstaaten Nordamerikas ziehen, nach Neukarolina. In diesen Ländern gäbe es überall Deutsche, und es würde mir nicht schwer fallen, öfters Deutsch sprechen zu hören, wenn ich Sehnsucht danach hätte. Das Klima wäre dort äußerst günstig für leichte Gartenarbeit.
Aber mir wollte der Vorschlag immer noch nicht gefallen. James aber sagte, er würde jedenfalls nach den Südstaaten Amerikas reisen und sich dort mit seiner Frau niederlassen. Er wollte zugleich in London und Neuyork in Zeitschriften einen Aufsatz veröffentlichen, der den Vorschlag enthalten sollte, daß junge verheiratete Künstler aller Nationen sich auf einem Stück Land zusammenfinden sollten.
Sie sollten zusammen eine Arbeitsteilung vornehmen, wie es in Ordensniederlassungen früher der Brauch gewesen. Jedes Künstlerehepaar sollte ein kleines Arbeitshäuschen erhalten, und man sollte den halben Tag über mit den Händen arbeiten und die andere Hälfte des Tages künstlerisch tätig sein. Es sollten sich so Maler, Musiker und Dichter zusammenfinden. Des Abends sollten die, welche Lust nach Geselligkeit hatten, im Sommer auf einem Rasenplatz, im Winter in einer Halle zusammenkommen, Sportspiele spielen, Musik hören, Theateraufführungen und Vorträgen und Vorlesungen von Dichtungen beiwohnen.
Der Amerikaner wollte amerikanische Mäzene ausfindig machen, die Geld zum Bau von Bibliotheken und zum Bau nützlicher bescheidener Gebäulichkeiten, zum Bau von Werkstätten und so weiter, hergeben würden. Die Gedichtwerke sollten in der Vereinigung jener Künstler auf kleinen Handpressen selbst gesetzt und selbst gedruckt werden und unter den Mitgliedern zur Verteilung kommen. Bei Jagd, Fischerei und Gartenarbeit sollte der Körper Tätigkeit finden, und damit sollte zugleich auch von allen Künstlern für den gemeinsamen Unterhalt gesorgt werden.
Es war eine selbstverständliche Gewissenhaftigkeit vorausgesetzt, eine gewisse Lebensreife und die Bedingung, daß nur verheiratete Frauen und Männer, also nur Paare mit ihren Kindern, Aufnahme finden könnten. Wie das gemeinsame Leben einer solchen Künstlervereinigung sich dann entwickeln würde, das sollte man der Zukunft überlassen. Es sollte kein Zwang im Zuziehen und Fortziehen herrschen, und man wollte mit frohen Hoffnungen das beste für Kunst- und Körperleben erwarten.
Es war aber dabei nicht geplant, daß die Künstler alle zusammen in einem Dorf wohnen sollten. Man hoffte, daß die amerikanische Regierung ein größeres Stück unbewohntes Land zur Verfügung stellen würde, und daß einige Millionäre sich finden könnten, die das amerikanische Kunstleben heben wollten, indem sie dort den Künstlern Heimstätten schaffen würden.
Jeder Künstler sollte entfernt von den anderen wohnen, der eine an einem Fluß, der andere an einem Wald, der dritte auf einem Berg. Nur am gemeinsamen Versammlungsplatz sollte man sich sprechen und sich uneingeladen nie im Arbeiten stören.