Dieser Plan war von dem Amerikaner ausführlich ausgearbeitet worden. Und er veröffentlichte dann auch in Neuyork und London den Aufsatz über die amerikanische Künstlerkolonie, den ich ins Deutsche übersetzte und einer deutschen Monatsschrift schickte.

Viele Künstler suchten damals Neuland, und in jenen Jahren gründete sich die Worpsweder Vereinigung, die aber nur ein Zusammenwohnen in derselben Landschaft, aber nicht, um freie Lebensmöglichkeit zu erlangen, ein Zusammenarbeiten kennt.

Der Drang nach Vertiefung und Abwendung von der Geschäftshast und Geschäftsgier und vom geschmacklosen bürgerlichen Unverstand ging als tiefe Sehnsucht damals unter den jungen Künstlern Europas um. Und so war das eigentlich gar nicht so absonderlich, was der Amerikaner vorschlug.

Ich hatte nur den einen Einwand, der war, daß ich am liebsten die Künstlervereinigung auf deutschem Boden gesehen hätte. Aber ich verstand auch, daß übervölkerte Länder wie Deutschland für den Plan nicht geeignet waren, weil man nicht so leicht in unserem verkehrsreichen Lande eine verkehrsfreie Landschaft hätte finden können.

Ein zweiter Grund, der für Amerika sprach, war der, daß amerikanische Millionäre freigebiger sind und leichter ideale Bestrebungen unterstützen würden als deutsche reiche Leute.

Nur hatte ich von jeher einen Widerwillen gegen Nordamerika. Das große Land, in dem die Einwanderer in dem letzten Jahrhundert die eingeborenen Stämme zurückgedrängt oder ausgerottet hatten, und auf dem meine Phantasie keine anderen geschichtlichen Träume fand als die Knabenträume aus dem Buch „Lederstrumpf“, dieses Land, das nie große alte Baudenkmäler, nie große geschichtliche Ereignisse aus dem Mittelalter oder der frühesten Vergangenheit für uns aufzuweisen hatte, gab meiner Einbildungskraft, wenn ich mich dort hinversetzte, nur leere unbekannte Wälder und leere ungeschichtliche Grasflächen zu sehen, auf denen sich nichts abspielte als das Geschäftsleben der Eisenbahnzüge, die durchs Land hinliefen.

Als ich von dieser meiner Unlust gegen Nordamerika zu dem Amerikaner sprach, so hatte er einen neuen Vorschlag bereit. Er meinte, wir sollten nach Mexiko. Dort würden wir genug Stimmung finden. Dort gäbe es alte Baudenkmäler der Azteken, wunderbare Ruinen verlassener Indianerstädte in tiefen Wäldern. Auch sei das Klima, das halbtropische, der Gartenarbeit günstig. Man könnte dort leicht Gärten pachten und diese billig von Indianern bearbeiten lassen, wenn unsere Kräfte nicht ausreichen sollten.

Das alte Gold- und Abenteuerland Mexiko, mit der gewaltigen Vergangenheit des Aztekenreiches, fesselte meine Einbildungskraft und Aufmerksamkeit sofort. Und da ich mein geerbtes Geld in Paris leicht und schnell schwinden sah und in der Heimat mir kein Vaterhaus mehr stand, so sagte ich mir, ich müsse für einige Jahre meine Heimatsehnsucht schweigen lassen. Ich hatte früher in Schweden und in London gelebt und dort gedichtet, ich würde also auch in Amerika dichten können. Es würde mir sicher gut tun, meinte ich, einige Jahre ganz zurückgezogen vom alten Europa — das ich, wie ich glaubte, auswendig kannte —, in einem schönen tropischen Lande zu wohnen, mir durch einen Garten Verdienst zu verschaffen und zugleich neue Dichtungen zu schreiben.

Dann, wenn ich mal Heimweh bekäme, könnte ich mit leicht verdientem Gelde später zurückkehren oder auch wollte ich, wenn ich die Heimat vergessen könnte, in der Fremde bleiben.

Jedenfalls war jetzt, als der Frühling kam, meine Reiselust wieder wach, und es wurde beschlossen, daß wir nach Amerika, das heißt nach Mexiko reisen sollten.