Nach diesem Gespräch meines inneren Lebens öffnete ich meinen Mund und sagte zu meiner Frau:

„In diesem Lande bleibe ich nicht lang. Ich möchte schon am Ende der Woche abreisen. Am liebsten möchte ich gleich aufs Schiff zurückkehren. Denn dieses hier ist kein Land um deutsch zu dichten. Das sagt mir mein Gefühl.“

Es war mir, als hätte ich nun schon meine Pflicht getan, indem ich mit Amerika einen Versuch gemacht und gelandet war und Europa den Rücken gekehrt hatte, wie ich es dem Amerikaner versprochen. Und es kam mir schon nach den ersten hundert Schritten am Land vor, als wäre ich nun ledig aller heiligen Verstandespflichten und dürfte nun wieder meinem Gefühl gehorchen und gleich nach Europa umkehren.

Wir fuhren aber doch noch von Vera-Cruz nach der Hauptstadt Mexiko. Ich erwartete dort auf der Post Briefe mit der mexikanischen Adresse des amerikanischen Ehepaars zu finden. Aber es war keine Nachricht da, und ich wußte nicht, was ich nun im fremden Erdteil tun sollte.

Ich wendete mich an den deutschen Konsul und erkundigte mich über die Landesverhältnisse. Er meinte, das Innere des Landes sei sehr gefährlich für Fremde. Es lebe da spanisches Gesindel in Indianerdörfern, und wenn die bei einem etwas Geld vermuten, könne man bei jedem Spaziergang leicht aus dem Hinterhalt erschossen werden. In diesem ordnungslosen Lande krähe kein Hahn nach einem Toten. Den Mörder fände man niemals. Es gäbe zu viel Morde hier. Und die Polizei hätte zu viel zu tun, wenn sie alle Morde verfolgen wollte, die sich draußen in abgelegenen Gegenden ereigneten.

Würden wir aber trotzdem im Lande Gärten bebauen und unbehelligt leben wollen, so müßten wir wenigstens zusammen zehn Männer und zehn Frauen sein, und auch dann wäre es sehr gefährlich, wenn wir die Landessprache nicht sprächen und nicht der katholischen Religion angehörten. Denn die Spanier wären in Religionsfragen sehr streng und fanatisch.

Ich mußte für mich lachen, als ich diese Aufklärung auf dem Konsulat empfing. Der Gedanke war uns vor der Reise nicht gekommen, erst schriftlich anzufragen. Die ganze Reise war nun umsonst. Es war mir aber doch angenehm, daß der Amerikaner noch nicht angekommen war, denn nun würde ich schnell wieder abreisen können, dachte ich.

Ich hatte es auf einmal so eilig, nach Europa zurückzukehren, als erwarteten mich dort die hellsten Freuden. Meine Frau aber meinte, wir sollten doch erst ein wenig in Mexiko Ausflüge machen, das Land betrachten und die Ankunft der Amerikaner abwarten.

In den nächsten Tagen begegneten wir James und Theodosia auf der Straße. Sie waren schon lange da und hatten uns überall gesucht. James hatte sogar einen Empfehlungsbrief an den Präsidenten Porfirio Diaz mit sich. Als meine Frau ihnen sagte, wir dächten wieder an die Abreise, waren sie sehr erstaunt. Nachdem ich ihnen dann erzählt hatte, wie sehr der deutsche Konsul mir vom Bleiben abgeraten, fanden sie die Warnungen übertrieben. Ich aber blieb dabei und sagte:

„Lieber bin ich Steinklopfer, Straßenkehrer und Bettler an den Kirchentüren in Europa, als daß ich in einem Land bleibe, dessen Natur, dessen Palmen und Vulkane, dessen Agavenpflanzungen, Zuckerrohr und Kaffeebäume mir niemals ein deutsches Lied geben werden.“