Bei der Hinreise nach Mexiko aber las ich dann auf dem großen Ozean die „Odyssee“. Und die Abenteuer des männertötenden Odysseus und die festlichen Schrecken, die der Held erlebte, hielten mich kräftig und aufrecht, als ich mich zwischen Neuyork, Havanna und Vera-Cruz auf dem Goldsucherschiff von Abenteurergesindel umgeben fand. Unter den Verbrecherblicken und Verbrechergedanken, die mich dort und nach meiner Ankunft in Mexiko stündlich auf allen Straßen umgaben, war mir das Lesen Homers Bedürfnis geworden.

Auch hatte ich für die Künstlerniederlassung nach Mexiko einige Abgüsse griechischer Reliefs, Verkleinerungen vom Parthenonfries und eine Masse guter Photographien der besten griechischen Bildhauerwerke der Louvresammlungen, in Kisten eingepackt, mit mir. Und griechische Bilder und griechische Dichtung trösteten mich oft drüben über dem Atlantischen Ozean in dem wilden Vulkanland Mexiko, wenn ich vor Heimweh nach Europa zu verzweifeln meinte.

Durch den deutschen Konsul in Mexiko war mir auch ein Lehrer der deutschen Schule bekannt geworden, der mir und meiner Frau in jenen mexikanischen Monaten einigen griechischen Unterricht gab. Denn nachdem ich Homer in deutscher Sprache gelesen hatte, wollte ich gern dieselben Verse in griechischen Lauten nochmals hören. Aber der Unterricht war nur kurz und wurde durch die Rückreise nach Europa bald abgebrochen.


Am Abend des Karnevaldienstages waren wir, von Mexiko zurückkehrend, wieder in Paris eingetroffen. Bei der Vorüberfahrt am Opernplatz bliesen vom ersten Stockwerk des Opernhauses über die Menschenmenge die Fanfaren, die die Eröffnung des Maskenballes anzeigten. Es war mir aber, als verkündeten die Trompeten zugleich das Ende des Winters, den Beginn und den Einzug des Vorfrühlings und einen Willkomm für uns in Europa.

Ich verabredete mit meiner Frau, die von der langen ozeanischen Sturmreise sehr erschöpft war, daß sie sich in ihrem Vaterhause in Schweden ausruhen und sich dort aufhalten sollte, bis ich in Griechenland Haus und Garten gefunden hätte. Sollte ich aber dort auch keinen geeigneten Platz entdecken, so wollten wir uns dann beide in Würzburg, in meiner Heimatstadt, treffen und wollten dort einstweilen wohnen.

Wir waren dann noch einige Wochen bis Mitte April 1897 in Paris.

Am Tage, da ich meine Fahrkarte nach Griechenland bei der „Schiffsgesellschaft des Mittelmeeres“ in Paris bestellt hatte und meine Frau eben nach Schweden abgereist war, begegnete mir auf dem Boulevard St. Michel der Schriftsteller Karl Vollmöller, den ich kurz vorher kennen gelernt hatte. Als er hörte, daß ich in zwei Tagen nach Griechenland reisen würde, sagte er mir, er würde gern auch nach Griechenland fahren. Er wolle nur an seinen Vater nach Hause telegraphieren, und wenn dieser zustimmende Antwort gäbe, würde er mit mir reisen. Wir fuhren dann einige Tage später von Marseille nach dem Hafen Piräus und machten die griechische Reise zusammen.