Kosmik — Kosmetik — das nenne ich einen Abgang, dachte Horst. Sie verließen das Gespräch, da die Wirtin kam.
Es sollte nicht das letzte Wort gesagt sein. Beim Torfmeister wollten sie sich weiter aussprechen. Mit einem „Auf Wiedersehen“ schieden sie.
Horst wanderte heimwärts. Das Gespräch mit dieser Frau, der über alle Feindschaft hinweg er die Hand gereicht hatte, begleitete ihn. Er fing an, immer mehr von ihr zu begreifen. Ihr geistiges Gesicht gewann für ihn Leben. Ihre Gefühls- und Anschauungswelt tat ihm Fernblicke auf, vor denen er nicht mehr unmutig und zornvoll die Augen schloß.
War es nur, weil sie, eine Frau, die als Weib auf ihn wirkte, das neue Land ihm zeigte?
Und wie ein Messerschnitt durchzuckte es ihn wieder: heute morgen hab ich den Freund begraben. Am Nachmittag sitz ich bei ihr, die seinem Dasein geflucht, deren Rache wie ein Vampir an seinem Mark gezehrt hat. Ist dies nun ein Verrat? Ist es einer, so weiß ich doch nichts von ihm. Oder will ich nur nichts von ihm wissen?
Gerecht sein! Um das er von je gerungen hat! Gerechtigkeit!
Daß die Blutrache unter Deutschen umgeht — Ihr seid es schuld, die Ihr Deutschland in die sinnlose, selbstmörderische Verzweiflung gestürzt habt! Aus hysterischer Lustgier, wie aus unsäglicher hosenschlotternder Angst. Und diese Angst täuscht Euch nicht — die Abrechnung kommt, darauf dürft Ihr Euch verlassen!
Was Ihr aber in Deutschland gegeneinander gehetzt habt in dem wahnsinnigsten aller Bruderkämpfe, es wird sich wieder versöhnen. Wird sich vereinen und verschmelzen in dem einen großen, dem einzig lebendigen Gedanken: ein freies Volk auf freiem Grunde!
Nur, daß jeder helfe an dem Sichverstehen! Dies ist das Erste! Verstehen müssen wir uns — einander durchdringen! Immer und immer will ich daran denken, immer und immer daran schaffen! An der deutschen Brüderlichkeit!
Du, Lona, hast mir heute etwas offenbart, was auf den ersten Blick mich zurückstieß. Aber jetzt frag ich mich, ist nicht auch all dies Neue so deutsch, so ganz und ursprünglich deutsch? Dieser unaufhaltsame, machtvolle, aus dem Innersten hervorbrechende Selbstbekenntnistrieb — die Schöpferkraft unserer jüngsten Kunst, ist sie nicht schlechthin germanisch? Nur deutschem Geist, nur deutschem Fühlen springen diese Quellen. Deutsch — deutsch auch dies — und auch dies zum Liebhaben! Und — was hier auch krank sein mag, in der kranken Zeit, dies Wirre und Aufgepeitschte, das wild Zusammengeballte, dies Überhitzte und Fiebernde — sollte man nicht um so eher eine sachte und sorgende Hand daran legen und zärtlich hegende Gedanken?