Daß Du, Lona, mir der Dolmetsch warst für diese Sprache, die bisher nicht an mein Ohr geklungen ist, hab ich es Dir nicht zu danken? Und ist in dem Dank nicht ein Band, das uns, so lose es sein mag, miteinander verknüpft?
Nun will ich Dich spielen hören! Nun sollst Du auf der Orgel zu mir sprechen! Von Deines Wesens Tiefe, seinen Nöten, seinen Lichtern! Ich werde mehr von Dir lernen, mehr von Dir erfassen, mehr von Dir wissen, von Dir und den Deinen. Und immer mehr von der Feindschaft wird abfallen. Deutsch und deutsch soll sich gesellen und einig sein!
Nichts will ich beschönigen. Du hast es mir leicht gemacht, dadurch, daß Du ein reizvolles junges Weib bist. Gewiß hätte ich zu einem anderen Lehrer und Erklärer nicht den Weg gefunden — oder mich ihm gar aus Leibeskräften widersetzt.
Die Sinne — nun ja — warum sie als Helfer verschmähen. Sie sind da, und so sollen, so müssen sie getrost teilhaben an unserm Werk! So wahr sie ein Teil von uns selber sind! Sinnlos, sie zu bekämpfen! Wird nicht von ihnen beflügelt, was wir wollen?
Ihr seid ein Teil der Kraft, darum seid gelobt! Wärt Ihr mir lähmend über den Kopf gewachsen, hättet Ihr mich verstört und gestört und verstrickt — unter die Füße hätte ich Euch genommen. Jetzt aber, als meine Freunde — als meine Freunde seid gelobt!
Morgen gehe ich zu Pastor Waermann. Er soll Dir erlauben, daß Du die Moordorfer Orgel spielst. Der Pastor ist heftig und streng, vielleicht auch eng. Aber mein Mittleramt, das ins Größere greift, wird er gelten lassen.
Krisen
Getragen schritt Horst durch den Frühlingsabend. Es war so viel Hoffnung, so viel Gläubiges in der Natur. Im Westen der letzte Feuerstrich, eine freudige Verkündigung neuer Sonnentage. Darüber der breite, topasfarbige Streif, irisierend, wie zitternd von dem Zauber der Frühlingsnächte, der auf die Erde tropfen will. Und wann wölbt der Himmel, der sich bestirnende, so wie jetzt in diesen Tagen des jungen Lichtes sich auf zu der Höhe trostreicher Unendlichkeit?
Mit reiner Freude gedachte Horst seiner Arbeit und der Kameraden. Neue organisatorische Gedanken gingen ihm auf. Neue geschäftliche Pläne. Schichten eines erlesenen Töpfertones waren in dem Ziegeleigelände gefunden. Unter den Kameraden war ein gelernter Scheibentöpfer, ein geschickter und geschmackvoller Keramiker. Kacheln und Geschirr wollten sie herstellen. Eine aussichtsreiche Industrie, die ihre Finanzen, die immer bedürftigen, stärken würde.
Vor ihm liegt die Baracke, die gelobte, die geschmähte, im Dunkel. Nur spärlicher Lichtschein aus einzelnen Fenstern.