Da — wie ein Schatten schleicht eine Gestalt den Weg entlang. In Mantel und städtischem Hut, einen Reisekoffer in der Hand. Scheu wie ein Flüchtling —
Es fährt Horst durch den Kopf: ist das nicht Radatz, der unsichere? Natürlich ist er’s! Und heimlich reißt er jetzt aus — da der Führer nicht im Bau ist. Soll er laufen, so weit die Beine ihn tragen! Mit solchen Brüdern hab ich nichts zu schaffen! Schade um jedes Wort, das man an euch verliert!
Aber, daß meine Mannschaft sich nun so zersetzt! Und verstecke ich mich nicht selbst, wenn ich den Mann so an mir vorüberschleichen lasse? Keine vornehme Bequemlichkeit! Ihn stellen! Bin ich der Führer oder nicht? Er soll wenigstens Hals geben! Ich verkriech mich nicht mit ihm zusammen in Heimlichtuerei!
„Radatz, sind Sie das?“
„Jawohl, Herr Hauptmann.“ Die Stimme knickte ein.
„Wollen Sie verreisen?“
„Ja.“
„Haben Sie Urlaub?“
„Ich — ich habe eine traurige Nachricht von zu Hause. Mein Onkel ist gestorben —“ Der Mann log.
„Beruhigen Sie sich. Er ist nur scheintot“, sagte Horst mit überwältigender Kühle.