Der Ausreißer stand, eingekeilt zwischen Beschämung und Unmut. Horst ließ ihn stehen. Eine kurze Wendung. „Reisen Sie glücklich!“ Er hatte ihm den Rücken gedreht.
Gleich berief Horst eine Versammlung der Siedlerschaft.
„Kameraden. Der frühere Siedler Radatz hat sich heimlich entfernt. Daß er sich entfernt hat, ist seine Sache. Daß er es heimlich tat, seine und unsere. Nichts schlägt so wie dies dem Geiste unserer Gemeinschaft ins Gesicht. In der vollen Freiheit, vollen Ehrlichkeit ist sie aufgebaut. Und so frei und ehrlich soll sie bleiben. Wir glauben an unser Werk. Zum Glauben gehören Opfer — wir bringen sie freudig. Dies unsere Gesinnung — oder ist sie es nicht mehr? Leicht ist unsere Arbeit, unser Leben nicht. Lockende Rufe von draußen kommen zu manchem von uns. Und nun will ich Euch fragen, ist noch einer oder der andere hier, der nicht mit ganzem Herzen weiterschafft an unserer Arbeit — offen soll er es sagen. Wir wollen ihn gewiß nicht hindern, daß er geht — fördern wollen wir ihn auf seinem neuen Weg. Aber Offenheit wollen wir! Lassen wir den Betrug sich bei uns einnisten, dann stürzt unser Bau zusammen!“
Die Worte wirkten, der Ton zwang. Alle gelobten sich aufs neue dem Siedlungswerke zu.
„Wir sind seit langem wieder einmal in größerem Kreise beisammen. Hat einer sonst noch was auf dem Herzen?“
Maurer Mulitz meldete sich. „Ich kann mir nicht helfen — daß wir damals nach Mehrheitsbeschluß allesamt gegen den Streik uns einsetzen mußten — das halte ich nicht für richtig.“
Gegenrufe: „Wieso?“ — „Allesamt! Bei uns gibt es nur ein Allesamt!“ — „Kameraden sind wir!“
„Ich hab da etwas gegen mein Gewissen tun müssen — als Streikbrecher bin ich mir vorgekommen —“
„Lächerlich!“ — „Was war das für ein Streik!“ — „Ein wilder allerhöchstens.“ — „Mit Brandstiftung!“ — „Mit Überfall aus dem Hinterhalt.“
Mulitz ließ sich nicht beirren. „Ich bin der Meinung, daß wir andere Aufgaben haben. Auch zum Polizeidienst sind wir nicht da. Sollte sich so etwas wiederholen, muß ich mir ausbitten, daß ich hier in der Siedlung bei meiner Arbeit bleiben darf.“