Er fühlte sich allein. So ist die Höhe. Und stark ist die Einsamkeit.

Nach dem Torfstich wandte er sich, zum Moor. Er würde Lona sehen. Durfte er? Mußte er dafür nicht einen Genossenschaftsbeschluß in der Tasche haben? Ein Lächeln. Und er dachte an sie mit einer Art trotziger Innerlichkeit.

Beim kranken Torfmeister fand er sie. Ihre Pflege hatte Wunder getan, der Alte war fast ohne Schmerzen. Die zwei saßen nebeneinander beim Fenster. Sie schauten und horchten aufs Moor. Er hatte seine Pranke auf ihren Unterarm gelegt, der eine Schönheit war. So zogen seine alten Glieder sich die Heilkraft aus ihrem jungen Leib.

„Mein Lütt ist mein Segen“, sagte er. „Und wenn sie sich nun noch aufs Moor verstünde — und das Moor sich auf sie —! —“ Dies war sein Kummer. „Denken Sie,“ sagte er zu Horst, „sie kann hier nicht schlafen. Wie kann man hier nicht schlafen, wenn das Moor neben einem atmet.“

„Aber es stöhnt im Schlaf“, rief sie. „Wie ein Riese, der sich den Magen verdorben hat.“

Der alte Lud schüttelte den vermoosten Schädel. „So kommt Ihr Euch nicht bei.“

Lona trotz ihrer Schlaflosigkeit blickte aus klareren Augen in die Welt. Von der Güte der Pflegschaft lag es weich um ihren herben Mund. Etwas wie friedliche Versonnenheit war über sie gebreitet.

In Horst ging es auf: ist sie nicht wie befreit, von einer inneren Not, einem Druck, einem Zwang? Da die furchtbare Pflicht von ihr genommen ist — die Pflicht ihrer Rache!

Er mußte an sich halten. Gräber wälzten sich gegen ihn, deutsche Gräber. Aber das Goethewort hallte in ihm nach: „Über Gräber vorwärts!“

Pastor Waermann hatte es gesprochen. Und hier war eine — auch ein darbendes Kind der deutschen Erde — die auch vorwärts schritt, auch hinaus strebte aus dem Fluch, aus den Fesseln des Vergangenen und enger Gelöbnisse. Der sie jetzt die Orgel nicht gönnen wollten, die ihre Erhebung war, die auf den Weg zum Ewigen ihr leuchtete.