Er suchte nach Worten. Sie versagten sich ihm. Schweigend packte er noch einmal ihre Hand, in zügellos heftigem Druck.

Er hatte sie zum Torfmeister heimgebracht. Nun taumelte er durch den Abend.

Dies, Kunz und Dankwart, konnte die Baracke nun nicht mir geben! Wißt Ihr, daß dies zu mir gehört, daß dies mir gehören muß, für mein Leben, mein Schaffen, mein Ziel! Ihr habt die Augen starr auf den einen Punkt gerichtet. Bewußt, stier und stur. Ich tadele euch nicht darum! Ihr seid gut für unser Land, ihr seid notwendig. Ich aber muß um mich blicken können, frei und weit. Und mit gestärkten, geschärften, vertieften Blicken suche ich dann wieder das Ziel, das meines wie euer, das unser ist! Ich muß mich umtun können im deutschen Land, im deutschen Geist, in allen Registern der deutschen Not und Qual. Und wenn ihr meint, ich erweiche mich so — ich sage euch, eben so werde ich fest zu meinem Beruf.

Und wenn die, deren tiefsten Erschütterungen ich gelauscht habe, die um die Wahrheit ringt und an ihrer Wahrhaftigkeit leidet, mir das Herz bewegt — um so kräftiger schlägt dieses Herz für unseres Lebens Sinn. Für des deutschen Lebens Inbegriff und Inbrunst. Alles, alles muß dem einen zum besten dienen.

So zog Horst ohne Scheu die Gehetzte, Gepeinigte, Zerwühlte, auch Verfehmte und Geschmähte an sich. Immer blieb ihr Auge bei ihm, wie es aus der Ohnmacht zu ihm erwachte, die erschrockene Zärtlichkeit, die schmerzliche Innigkeit — wie lebte es davon in seinem Blut!

Er sah die Lichter des Moorhofer Gutshauses. Da lag sein Gisbert noch immer in Pflege. In diesen Tagen, morgen, übermorgen sollte er in die Baracke heimkehren. Es zog Horst zu dem Jungen. In dessen weiter Seele fand er den Widerhall, den die planmäßig verwahrte Enge von Dankwart und Kunz ihm versagte. Und das, was in ihm wuchs und ward, es mußte sich ausschwingen — ohne Worte, nur in dem Beisammensein.

Gisbert saß mit Frau Tilde. Sie hatte als Gutsherrin schwer gearbeitet, nun lehnte sie müde im Sessel. Horst wurde herzlich begrüßt.

Sie sprach von dem Wiederaufbau der niedergebrannten Stallungen. Einen größeren Posten Balken und Bauholz habe sie bei Gelegenheit gekauft. Davon werde etwas übrig bleiben, das sollte die Siedlung bekommen für ihr erstes Haus.

Welch eine seltene Frau! Diese überirdischen Augen, die Zeugen ihres fernen, hohen Fluges — und dabei doch die feste zugreifende Hand, und in ihrer überströmenden Güte die kluge Sorge für den Tag.

„Je eher sie an ein eigenes Haus die Hand legen, um so mehr frohe Sicherheit ist bei ihnen.“