Unter den neunzehn Männern, die mit den vier von ihnen selbst gewählten Führern an dem langen Brettertisch beim Morgenkaffee saßen, fiel einer besonders auf. Nicht weil er der größte und längste war, sondern weil er was großes in den Augen hatte. Es war in ihnen die helle Zuversicht der kindlich reinen Gottesgläubigkeit entzündet.
Er hatte die ganze niederdeutsche treuherzige Unbeholfenheit in den schlaksigen Gliedern, über dem kantigen, noch ganz jungen Gesicht, leuchtete grauweiß sein Haar, das eine Sappenexplosion im Schützengraben entfärbt hatte. Der tüchtigste Arbeiter wie er der bravste Soldat gewesen war. In den Mußestunden hielt er sich viel allein, las, nein, forschte in der Bibel, schrieb nach Hause an seine Mutter, seine Braut. Gustav Elbenfried war Zimmermann seines Zeichens, sie nannten ihn mit neckendem Respekt den heiligen Josef.
Das Wort führte von der einen Ecke aus der ranke, schmeidige Fritz Eggert. Er war gelernter Barbier und hieß darum „Balbutz“. Aber das sagte im Grunde nichts von seinem Wesen und Leben. Kaum einen Beruf gab es, den er nicht geübt hätte. Durch alle Länder Europas war er gewalzt. Hatte auch sattsam geabenteuert, hatte „in den südlichen gelben Halunkenländern“ seinem Anfangsberuf getreu manch einen über den Löffel barbiert und lieber selbst Hälse abgeschnitten, als sich begaunern lassen. Kurz vor Ausbruch des Krieges war ihm Europa zu klein geworden, er wollte „Afrika auch einmal was Gutes gönnen“. So war er nach Algier gekommen. Von da trieb es ihn, als der Kriegsruf ihn traf, zu den Fahnen — unter beispiellosen Listen, Finten, Entbehrungen und Gefahren erreichte er deutschen Boden. Dies schuf ihm unter den Brüdern seinen Wert und sein Gepräge.
„Also Kinder,“ so gab Horst die Tageslosung aus, „heut werden Bäume gefällt. Wenn wir übers Jahr trockene Bretter haben wollen, wird es Zeit. Arbeitsleiter ist Elbenfried.“
So war es ausgemacht und Gesetz, daß bei jedem Werk der fachmännisch Zuständige das Kommando hatte. Für das Gemeinsamkeitsgefühl gab es keinen besseren Boden.
Und nun scharwerkten all die jungen fleißigen Arme in dem Kieferngehölz am Bergeshang. Die Gedanken und Herzen schlugen für die Heimstätte und für die große Heimat.
Schwere Nebel zogen von der See her über die Flur. In Nebel und Not war das Vaterland. Aber hell und stark klangen durch den Dunst und Daak Säge und Axt. Und fast froh flammten die Rufe durch die Schatten und Wolken. Es waren die Stimmen der Arbeit.
Nieder mit dem Würger!
Nebel wogten durchs deutsche Land, Nebel und Rauch von Feuersbrünsten und Scheiterhaufen. Ein giftig schwelender Brodem zerfraß die Augen, die Hirne, die Herzen.
Baron Borkhus und Horst fuhren im Jagdwagen nach der Kreisstadt zu einer politischen Versammlung. Der Herr kutschierte, neben ihm saß Horst, hinter ihnen Strempel, der alte Kutscher.