Und das Weib bin ich!
Uns hat etwas zueinander getrieben, machtvoll, hindurch durch die Fluten, die zwischen uns brausten. Was war es — was ist es? Gleichviel, was es ist! Wir stehen im Kampf!
Du bist ehrlich gegen mich gewesen, offenherzig, weitherzig und warm, ganz anders wie Deine Gesinnungsgenossen sind. Und es gab einen Klang zwischen uns. Gleichviel — wir stehen im Kampf. Soll ich meine Freunde verraten um Deinetwillen! Meinen Glauben! Der erste wärst Du, der mich verachtete!
Der mich verachtete — und wenn ich nun weiter mit Dir wandere durch den Abend in die Nacht — bedachtsam — da ich weiß, was Euch bevorsteht — und Dich fortschaffe von dem Geschehnis, in das Du gehörst mit Blut und Leben — wird das, was übrig bleibt, nicht der Fluch sein auf mich und — meine Tücke.
Tücke! Darf ich unser Geheimnis Dir preisgeben! Die Freunde soll ich in Eure Hände liefern! Soll den Tod über sie bringen — um Deinetwillen! Wahnsinn!
Es braust in ihren Ohren. Sie hört nicht die Worte, mit denen Horst sie jetzt umfängt. Aber sie fühlt seine Hand, wie sie ihre Finger nimmt mit festem Druck.
Was ist es, daß sie sie ihm läßt! Muß sie ihre Rolle weiterspielen? Oder hält sie ehrlich ein ehrliches Geschenk, das sie freut, ein Gefühl, dem sie sich neigt im Gleichklang der Sinne und der Seele?
Immer war Waffenstillstand zwischen uns, immer der Friede. Wir waren über unserem Kampf. Können wirs nicht bleiben? Vergessen die andern — die Welt — alles da draußen vergessen. Allein sein miteinander — allein auf der Welt —
Da — wie seine Hand ihren Arm greift, bäumt sie sich zurück — ist es der Widerstand des Weibes, die Furcht vor dem Erliegen — kurz, hastig, wie bellend stößt sie hervor: „Sie sollten heute abend lieber in der Baracke sein — und nicht hier bei mir!“
Horst steht und starrt, betäubt. Dann — ein Blitz zerreißt die Wolken. Er sieht das Geschehen — er fliegt in die Höhe, als wolle er durch die Luft. Und dann in wilden Sprüngen stürmt er — über den Sturzacker — in die Heide —