Und Du warst es, die mich warnte. Mich, der ich wie blind neben Dir herlief. Der ich mit Dir weiterwandern wollte, hinein in die Stadt. Um bei Dir zu sein, die Du mir lieb geworden bist!

Und wie lieb muß ich Dir sein, daß Du mich wecktest aus meiner Gedankenlosigkeit und auf den Weg meiner Pflicht mich führtest. Meine Pflicht — die gegen Deine Sache streiten, die ihr die Wunde schlagen mußte! Meine Pflicht, gegen die Deine eigene Pflicht sich erhob.

So hast Du mir Dich aufgeopfert! Und hast Du so Deine Welt nicht hinter Dir gelassen? Keine Heimat gibt sie Dir mehr. Die Fäden sind zerrissen. Du gehörst uns. In mein Leben gehörst Du. Eigenes Heimweh hat in meine Welt, hat zu mir Dich gezogen — nun halt ich Dich fest! Nun bist Du mein!

Hohl klingt ein Murmeln an die Wand des Schuppens. Wälzt sich dumpf, düster und schwer. Legt sich ihm auf die Brust wie ein Mar. Was friert ihm so ins Blut? Was schauert ihm so durch die Seele?

Er springt auf und tritt hinaus in den Gang, tritt vor die Tür. Die Streife kehrt zurück. Sie tragen jemanden. Kunz geht voran. Horst ist bei ihm. „Eine Frau“, sagt Kunz, weiter nichts. Seine Augen sagen mehr. Horst aber weiß es längst, was er jetzt sieht. Lona. Und sie ist ohne Leben.

Er weiß es, er sieht es — und glaubt es wieder nicht. Seine Hände irren über ihr eisiges Gesicht — sie wollen sich irren — sie rühren, sie fassen den Tod.

„Lo-na.“ Seine Zähne klappern. „Lo-na.“ Zerrissen ihr Name. Ihr Wesen zerfallen. Zerbrochen ihre Form. Ihre Seele entflogen.

Ein Schuß mitten durchs Herz.

Und jetzt die Fragen der andern: War sie selbst unter den Stürmenden gewesen? Dann am alleräußersten Flügel. Oder hatte sie als Zuschauerin abseits gestanden? Kugeln irren sich so gern.

Horst hatte seine Antwort. Hergeworfen — hergewirbelt hat es Dich — nicht ein Gefühl allein — Du mußtest dabei sein — nicht bloß sehen, es mit erleben — ein Schuldbewußtsein flocht Dich in die Reihen der Genossen — und doch Deine Gedanken flogen ihnen voraus. Sie waren bei mir — sie suchten mich — in schmerzlichem Verlangen —