Und hat das alles seinen Sinn — was ist sinnvoll anders als gut? Der gute Sinn, der große gute Sinn des Lebens, der große gute Sinn der Welt.
Kann der Tod ihn uns verdunkeln? Führt er nicht gerade, was in uns, den Überlebenden, stark und echt und treu ist an Liebe und Kraft, an Fühlen, Denken und Wollen, empor zu der Höhe eines Gelöbnisses!
Sich treu bleiben! Seinem Fühlen und Willen treu bleiben! In seinem Fühlen und Willen sich klären! In seinem Fühlen und Willen sich vollenden!
Wieviele Kameraden hat Horst begraben! Vor jedem Toten hat er so gestanden, gehoben, gesteigert, beflügelt in seinem Wesen, gefestigt in einem Schwur. So strömt uns neue Kraft zu von unseren Toten. So sind die für uns gestorben, die uns lieb waren.
So bist auch Du für mich gestorben, Lona. Die Du mir feind warst, die ich Dich lieb gewonnen. Tränen schauerten durch ihn hin. Da machte er sich hart.
Sich treu bleiben, seinem Fühlen, seinem Willen treu bleiben. Und so in die Höhe wachsen, aus sich, in sich, zu sich selbst empor! Er stand aufrecht und frei, von seiner Andacht geweiht.
Kunz kam herein. Er berichtete, der Verletzte wäre zu sich gekommen, finge an zu toben, wollte nicht länger bleiben.
Horst ging zu ihm. Er lag, den Oberkörper aufgerichtet, die Hände krampfhaft aufgestemmt — das wirre Haar hing ihm in irre Augen — „ich laß mich nicht einsperren — schlagt mich tot — ich laß mich nicht quälen —!“
Jeder sah, daß an ein Fortschaffen nicht zu denken war. Auch der Mulatte schüttelte den kugelrunden Kopf.
Horst sprach ruhig auf ihn ein. „Sie sind krank und hilfsbedürftig — wer wird Ihnen was zuleide tun! Sie werden hier gesund gepflegt. Wenn Sie sich ruhig verhalten, können Sie vielleicht morgen schon nach Hause.“