Ruhiger wurde er, von den Worten, von dem Stimmklang. Aber in den Augen ging es noch weiter um. Dann sah und erkannte er den Genossen. „Was tust Du hier? Bist Du auch gefangen — schämst Dich nicht — kannst rumlaufen — ich — den schweren Kopf — den — schweren — Kopf —“
Jetzt sank er zurück, zuckte noch, und dann kam der Schlaf über ihn.
In der Baracke ging man zur Ruhe. Ein guter Teil der Nacht war vorüber. Horst mit zwei Kameraden hatte die Wache bis zur Frühe übernommen. Die beiden machten es sich im Eingang bequem. Er, im Mantel, setzte sich auf die Bank vor der Tür und wartete den Morgen entgegen.
Müde gingen seine Gedanken ein in die große Sternenstille. Müde und demütig. Ihr Sterne, ich kann Euch nicht einmal zählen. Wie soll ich Euch begreifen? Funken der Ewigkeit ihr —! —
Mein Erdenschicksal — ein Staubkorn nur dieser kleinen Erde und mir so wichtig und schwer —
Und doch — ich bin nicht verloren — ich bin in der Unendlichkeit — und darum die Unendlichkeit ist in mir — in mir das Ewige — den Stolz des Lebens, ich darf ihn fühlen. So darf ich in die unermessene Höhe sehen, ohne zu verzagen. Darf an ihr wachsen, in sie wachsen, denn sie ist mein.
Im Osten zog sich ein fahler Streif, an dem die Sterne verblaßten. Der Morgen rieb sich die Augen. Vom Westen her, wo das nächtige Dunkel noch fest lag, schob sich langsam eine mächtige Gestalt. Ein dumpfes Murmeln, gebändigt und doch ein Donnerrollen, verkündete ihr Nahen. Nur einer konnte so brummen — und jetzt kam er in Sicht — Horst stand auf, ihn zu empfangen. Lud Uhlenbrook war es.
Konnte er wissen, was geschehen war? Zog ihn nur dunkle Ahnung her? Es war Ungewißheit, was ihn quälte. Froh packte er Horstens Hand. „Was hab ich bloß zurecht geträumt — von Schlacht und Schießerei. Hin und her hat es mich gewälzt. Gut, daß ich Sie finde!“
Nun stutzte er über des Freundes Haltung. Der sagte dann still: „Sie haben nicht geträumt.“
„Und ist was passiert?“