Recht ist ja, was Du fühlst und tust! Nicht in die Baracke gehört sie, die ihr verhaßt und die ihr feindlich gesinnt war — in Dein stilles Haus, das ihr eine Heimat gewesen. Da soll sie aufgebahrt werden. Da wollen wir ihr die Totenfeier rüsten. —
An diesem Tage erholte sich der Betäubte so weit, daß er das Siedlerhaus verlassen konnte. Es war der Leiter des Überfalles selbst, der Werkführer Stahlboom.
Die Siedler hatten den ganzen Tag hart gearbeitet, auf dem Felde, in der Ziegelei, auf dem Moor. Gedenkreden auf den gestrigen Tag hatte das Schaffen befeuert. Man erzählte sich, daß die Angreifer mehrere Verwundete heimgeschleppt hätten. Das eine Maschinengewehr gegen den Abhang hatte nun doch nicht hoch genug gehalten. Wer hat auch in solchen Augenblicken Nerv und Hand so in der Gewalt? Der Tod hatte nur das eine Opfer sich geholt — die Frau — Lona.
Mehr als ein Auge suchte Horst wieder auf. Der war am Werk wie nur je, selbst der Fleißigste und Härteste. Daß sein Gesicht blaß war, daß die gerade Falte zwischen den Brauen sich tiefer prägte — wer von ihnen trug nicht an dieser Nacht! Und enger waren sie aneinander gerückt, dichter war die Reihe geschlossen, Kameradschaft war Trumpf.
Wie sie Feierabend gemacht hatten, trafen sie den Pflegling bei Gehversuchen vor der Tür. Als der Anführer wußte er, was er sich schuldig war. Er wartete auf Horst, trat ihm in guter Haltung festen Auges entgegen und sagte klar: „Ich danke für Pflege und Quartier. Mein Wunsch ist, einmal — Gleiches mit Gleichem zu vergelten.“
Es war nichts Verstecktes darin, kein lauernder Hohn, es hatte seine offene Bedeutung. Und Horst gefiel diese Art. Saubere, ehrliche Feindschaft! Damit ließ sich etwas anfangen. Darauf ließ sich sogar aufbauen. Nur das Heimtückische zerrüttet.
Feier
Und jetzt kam für die Siedler ein großer, freudenvoller Tag. Der Grundstein zum ersten Siedlungshaus wurde gelegt. Findlingsblöcke sein Fundament.
Es gab eine stille Feier, zu der Frau Tilde, Pastor Waermann und Vita sich einfanden. Horst sprach: „Auf Steinen wirst Du errichtet, Du unser erstes Haus, die der Norden uns zugeführt hat. Der Norden, die große Heimat der deutschen Stämme. Der harte, helle Norden, der noch heut die deutsche Art am treuesten hegt. Wo die Männer von je frei, stolz und ungebeugt den Nacken hielten. Keine Knechtschaft duldet der Nordlandschein. Reden sollt ihr, ihr Steine! Zeugen sollt ihr uns sein, Eidhelfer! Ein deutsches Haus sollt ihr tragen! Deutsche freie Männer sollen in ihm wohnen!“
Pastor Waermann sagte seinen Spruch: „Auf diesem Fels wollen wir eine Kirche bauen! Eine deutsche Kirche! Jede Andacht, jedes Gebet in ihr, jeder Gedanke, jeder Wille in ihr: die deutsche Freiheit!“