Und Frau Tilde weihte das Haus: „Über dem Altar der Spruch der Gemeinsamen: Ich lebe in Dir — Du lebst in mir!“
Vita aber flammte empor: „Der Altar dieser Kirche soll ein Amboß sein! Schwerter zu schmieden!“ Ihre Katzenaugen sprühten von funkelndem Phosphor, die Worte sprangen und splitterten in ihrer mutierenden Knabenstimme. Alle freuten sich ihres Überschwanges, der so kindlich war und doch aus schmerzlicher Tiefe loderte.
Die Maiensonne meinte es gut. Sie saßen zu einem kleinen Imbiß vor der Baracke im Freien nieder. Von dem Kampf sprachen sie, von Lonas Tod. Ein Schweigen ehrte die Heimgerufene. Keine Frage rührte an Horstens Versunkenheit. Jetzt gab Pastor Waermann zu bedenken: dieser Waffengang werde weithin alle Geister beschäftigen. Wollte die Siedlung ihre Maschinengewehre retten, müßte sie sie verstecken.
Kunz stimmte lebhaft zu. Er wußte die Plätze dafür — zwischen den Steinplatten der Hünengräber, die wieder zugeschüttet würden — in der Gruft bei Herrn von Borkhus, unter seinem Sarge.
Horst lehnte ab. „Wir verstecken die Waffen nicht.“ Die Linie zwischen den Brauen gab Zeugnis.
Dankwart und Kunz schüttelten den Kopf. War Lonas Tod ein Gewinn?
Dann ließ es Frau Tilde sich nicht nehmen, in die Stallungen einen Blick zu tun. Gisbert, der hier Zuständige, übernahm die Führung.
Ein braunweißes Kalb hatten sie, das war ihr Stolz. Ihre beiden Milchschafe, erlesener friesischer Rasse, hatten je zwei Lämmer geworfen. Zehn Küken purzeln und trippeln und schießen herbei nach den Lockrufen der Mutter Henne. Zwei andere Hennen noch brüten in den Körben, feierlich in der gewölbten Ruhe ihres heißen, breit gefalteten Gefieders, heizend und erhitzt, böse die Augen gegen die Welt, von Halbschlaf benommen, versunken in das eigene geheimnisvolle Werk, scharlachrot von der Inbrunst des Schaffens der Kopf, der klein geworden ist gegen den machtvollen, lebenspendenden Leib.
Frau Tilde sieht alles, prüft alles und ist zufrieden. Glücklich macht Gisbert die Anerkennung. „Bienenstände müssen Sie noch haben, die gehören zu Ihrem Heideland.“
Und dann begleitet Gisbert die Freundin nach Hause. Die Herrin — er fühlt sich ganz als ihr Wirtschaftseleve. Immer wird er Landmann bleiben, nie mehr wird die Stadt ihn sehen, in der die Menschen versteinern. Die Naturandacht sein Leben. Seines Daseins Licht diese Frau, die nicht müde wird, ihn zu beschenken. Nie mehr kann er von ihrer Seite gehen.