„Ich hab die Eichkätzchen so gern.“
„Versteh ich. Obschon sie die mordgierigsten aller Waldräuber sind.“
„Gleichviel. Ich lieb sie. Und wenn es keine bestimmte Absicht war, daß ich vorbeischoß — eine innere Stimme sprach mit.“
„Nun, bei den Kaninchen wird keine innere Stimme mitsprechen.“ Er sieht todernst aus, feierlich. Und Vita haßt ihn.
Sie nähern sich dem Kiefernbestand, den sandigen Anhöhen. Da hoppeln schon ein paar von den „gottvergessenen Grauen“ über die Schneise. Vom Wege her, der die Schonung umsäumt, leuchten die Goldtupfen der blühenden Ginstersträuche ihnen zu.
„Da setzen wir uns hin“, sagt Kunz. „Dann haben wir eine ganze Kolonie dieses fidelen Gesindels vor uns.“ Und sie kauern sich unter die Blütenpracht. Was ist Kunz das Jagen? Vita aber will töten. Und die Kreatur des Waldes läßt es an sich nicht fehlen.
Eine unterirdische Stadt der wühlenden Kobolde liegt ihnen gegenüber. Bei dem sonnigen Wetter sind viele vor den Toren, äsen, springen, spielen, punktieren mit den weißen Schwanzlichtern fröhlich den Waldesdämmer. Kunz lädt das Gewehr. „Jetzt wollen wir also Verhängnis sein.“
Diese dummen hohen Worte in der absichtlichen Tonlosigkeit — weiß er nicht, wie sehr die sie stören, wie unsicher die sie machen! Ist das noch Freundschaft!
Trotzig reißt sie die Flinte an sich, schießt — und macht wieder, mit all den Schrotkörnern, nur Löcher in die Luft. Die Tiere hat die gute Mutter Erde eingeschluckt.
Wie ein Lämmerschwanz schlägt ihr das kleine Herz. So heftig böse ist sie, zerbeißt sich die verschluckten Tränen im Munde und zischt sie von sich.