Sie alle badeten am Tage, meist in der Morgenfrühe. Er war der einzige, der den Abend dazu wählte. Wie alles bei ihm Naturandacht war, so auch sein Schwimmen.

Hineintauchen in die Dunkelheit, mit dem weißen Leib die schwarze Flut beseelen, der Lichtbahn eines Sterns sich hingeben, dem Staub der Erde entfliehen, aufgehen in das schweigende, sternenhohe, gütig verhüllte, gnädig sich entschleiernde selige All — das war seines Schwimmens heilige Lust.

Er hatte wie keiner die Kunst, sich auf die Flut zu legen, sich von ihr tragen zu lassen, ohne daß er ein Glied rührte, auszuruhen auf ihr in Schlaf und Traum. Wie eine Mutter hielt ihn das Meer in den Armen.

Noch war es ihm zu früh für sein Bad. Auf einem der Hügel ließ er sich nieder, hier sah Horst ihn sitzen, die Hände verschränkt um die Knie, und mit zurückgebeugtem Antlitz in den Abendstern, den der Osten emportrug, sich hineinheben.

Der Abendstern, der Morgenstern, der Liebesstern — aller Zeiten der Stern bist Du!

Und Du, Gisbert, flüchtest Du Dich nicht bewußt aus der Sinnenwelt in diesen Sternenglanz?

Lange noch sah Horst die Silhouette gegen den Abendhimmel — die feine überschlanke Gestalt, diese zarten in die Dämmerung gestrichelten, mit der Dämmerung sich lösenden Linien, die schon nichts Körperliches mehr hatten.

Und Horst stockte der Fuß auf seinem Weg. Da geh ich nun zu den Fremden — und Gisbert, mein lieber Junge, schwindet uns hier unter den Händen. Muß ich — ich vor den andern ihn nicht halten und hegen!

Wär nicht diese Scheu um ihn, diese sprödeste Wehr, und in ihm dies Rührmichnichtan, das vor jedem Wort versteinert, das schon vor einem Ahnen des andern zusammenschauert. Was hat es zu leiden, das deutsche Blut!

Wie kann er dem Freunde helfen, da er nur erschrecken und wehtun würde. Und ist in ihm selbst nicht diese Scheu? Dieses Heiligtum der Schweigsamkeit, das niemand betreten darf?