Jetzt führt ihn sein Weg zu den Fremden, denen aufs neue er widerstrebt. Was will er bei ihnen, was soll er bei ihnen? Blutsverwandte ja — aber wie weit blieben sie vom Schuß! Diese lieben germanischen Neutralen! Wie haben sie sich gepflegt, da die Not uns verzehrte, wie wohl lassen sie es jetzt sich sein, da Elend und Schande uns zerfressen. Was soll ich bei diesen Menschen mit den wohlig satten Muskeln und den gut genährten Gehirnen?

Freunde in der Not

In Freundschaft aber löste dieser Abend allen Unmut und Unwillen.

Eine Flut von Licht empfing ihn, in dem einfachen hellen Landhaus mit seinen strahlenden Birkenmöbeln. Alle Lampen brannten, auch die in den unbenutzten Räumen. Das liebte Herr Thorild so. Wieder bei Horst so etwas wie Zorn: nun ja, sie haben es und können es, denn sie haben die Valuta.

Aber auch in diesen Menschen brannte alles Licht ihrer Herzlichkeit. Und sein Mißtrauen, das dagegen aufflackerte, als ob hier zuviel Güte und Mitleid wäre, war bald im Erlöschen.

Wie gut sprachen sie von Deutschland, wie gut verstanden sie deutsche Art, das deutsche Leid, die deutsche Schuld, das bresthafte deutsche Dasein.

Mehr als einmal schüttelte Oberst Thorild schwer den Kopf. „Daß Ihr aus der Parteizerrissenheit nicht herauskommt, nicht aus Eurer Selbstzerfleischung! Die Fremden peitschen Euch in Wut — und Ihr geht Euch selber an die Gurgel. Nicht leicht ist es, Euch zu begreifen. Kein Land hat soviel Herz und Hirn — kein Land, dank seiner Parteipolitik, so viel herzlose Rechner und hirnwütige Verbrecher.“

Horst nickte dazu mit düsteren Augen.

„Euer großer Physiker hat mit dem von ihm gefundenen Gesetz das deutsche Wesen auf die rechte Formel gebracht: innere Wärme entlädt sich in äußere Bewegung. Vielleicht ist es Euer Fluch, daß Ihr zu viel innere Wärme habt, daß die sich in zu viel äußere Bewegung umsetzt, die Euch so heillos in Fetzen zerreißt. Das Stillhalten freilich ist nie unsere, der Germanen Sache gewesen. Im Draufgehen waren wir groß und im Dulden klein — schon Tacitus hat es uns bezeugt.“

In diesem „uns“ war ein Bekenntnis.