In solchem Selbstgefühl durfte er den Freunden frei die Hand reichen. Ich empfange nicht bloß, ich gebe so gut wie Ihr.

Aber die Schatten blieben. Und schwerer und dunkler zogen sie. Es kam für die Siedlung ein schwarzer Tag.

Und die Not nimmt überhand

Gisbert, der ihrer aller Liebling war, löste sich immer mehr von ihnen. Wie ein Nachtwandler war er, den man zu rufen sich scheute.

Der einzige, der immer noch fest zupackte, war Kunz. Aber auch er griff jetzt immer mehr ins Leere. Und dann, er hatte genug mit eigener Herzenserschütterung zu tun. Vita war ihm entschwebt. Wie ein Traumbild war sie ihm zerronnen. Wohin hatte er sie geschreckt?

So trübte sich Kunz der Blick für des Gefährten Schicksal, den die Not seiner Liebe immer mehr von dem Irdischen trennte. Von der Erde, die, seit sie ihn verschüttet, begraben, erstickt hatte, seinen entrückten Sinnen nie mehr die rechte Heimat gewesen war.

In Gisbert selbst tastete noch etwas nach dem Gegenständlichen dieser Welt, nach Freundeshand, nach Zwiesprache, nach Austausch der Empfindungen. Und so klammerte sich etwas von ihm an Kunz, gerade heut.

Der Wind trug am Nachmittag den Glockenhall von Moordorf herüber. „Wollen wir zusammen in die Kirche?“ fragte er Kunz, mit knabenhaften Augen, fromm von kindlichen Gedanken.

Der hatte schon ein „Ja“ auf der Zunge. Da fuhr es ihm durch den Sinn: in Vitas Bereich! Wenn ich mich hineinbegebe, muß ich allein es tun! Denn für alles, was hier geschehen kann, brauch ich meine Einsamkeit. Und er schüttelte den Kopf zu dem Vorschlag. So ging Gisbert ohne ihn. Und es trug ihn wie ein Abschiednehmen — er wußte nicht wie.

Er wußte auch nicht, was eigentlich in die Kirche ihn zog. Halbe Wirklichkeit war in allem. Der Raum, die Andächtigen, der Gesang, der Prediger —