Wirklichkeit — was ist das? Es gibt etwas über der Wirklichkeit. Das ist seine Herrin. Das ist dieser Abend, der ihn zu ihr führt.
Schall ohne Sinn war ihm auch erst Pastor Waermanns hell aufstrebende Predigt. Der wieder der Mittler seines geliebten Ernst Moritz Arndt war, des deutschen Stimmführers aller Zeiten.
„Du mußt Gott bitten, daß er dir gebe einen stillen freundlichen und festen Geist, daß du alle deine deutschen Brüder zu dir versammeln magst.
Denn durch der Herzen Zwietracht ist das Unheil gekommen, und durch die Torheit der Feigen plagen fremde Henker dich.
Und ihr sollet euch wieder brüderlich gesellen zueinander, alle, die ihr Deutsche heißet und in deutscher Zunge redet, und den Trug bejammern, der euch solange entzweit hat.
Und sollet in Einmütigkeit und Friedseligkeit erkennen, daß ihr einen Gott habet, den alten treuen Gott, und daß ihr ein Vaterland habet, das alte treue Deutschland.
Und sollet gedenken, wie ihr ein freies Land von euren Vätern empfangen habet, und wie ihr euren Kindern und Kindeskindern die Freiheit hinterlassen müßt!“
Das klang denn doch in Gisbert nach, das weckte in ihm schlummernde Stimmen. Die Stimmen, die sein Dasein begleitet hatten, die seiner Arbeit Melodie gewesen waren. Sie schlangen das Band zwischen ihm und den Kameraden, den Freunden. Und er ruhte aus in diesen Harmonien.
Aber sie hielten ihn nicht, sie trugen ihn nicht, und er entschwebte wieder in seine Welten. Und alles, die Siedlung, das Vaterland, die Gefährten wie der Kirchgang, der Gottesdienst wurden ihm nur zu einer alten Weise wehmütiger Erinnerungen.
Ein paar schrille Weckrufe: zwei Mädchenaugen hängten sich an ihn, von so heller und scharfer fast heftiger Daseinskraft. So viel gesammeltes Leben — es brannte und stach. Den Traumfernen erreichte die fragende Leidenschaft. Bleiben sollst Du und Rede mir stehen! Allein bist Du! Wo hast Du den andern! Ich will ihn nicht! Aber, wo ist er? Das will ich wissen! Und warum er Dich allein hat kommen lassen! Ich will ihn nicht! Will nicht seine packende Hand, seinen dürstenden Mund! Aber, er soll mich suchen! Suchen soll er mich, daß ich ihn abweisen kann, ihn von mir stoßen! Was tut er’s nicht!