Und Gisbert wußte es, dieses Mädchen, das nichts ist als Augen, nichts als fordernde, starrende, bannende, naturkindliche Leidenschaft der Augen, es konnte nur Vita sein, das Mädchen seines Kunz.

Jetzt war der Freund doch ganz nahe bei ihm. Von dem er ahnte, daß er um das Mädchen litt. Helfen — ihm, dem lieben, getreuen — und auch ihr, in deren Augen der sehnsüchtige Trotz einer Qual Fieber und Bitterkeit wirkte.

Predigen — von der Liebe predigen! Hier, wo der Ort dafür war! Von der Liebe, die mehr ist als ein Gefühl. Von der Liebe, die die Wahrheit ist. Die Wahrheit und die Freude, aus der jede Kreatur, aus der das All, die Unendlichkeit ihr Leben hat.

Aber die Worte dafür — immer ist das Wort mit seiner Erdenschwere hinter ihm zurückgeblieben. Nun hat es ihn ganz verlassen. Das lichte Schweigen ist um ihn.

Und mit dem Wort, das er nicht findet, versinkt ihm all das, was ihn eben noch gerufen und bewegt hat. Ob er es halten möchte, es schwindet ihm hin. Und wieder wie ein Traumwandler zieht er seine Straße, die zu seiner Herrin ihn führt.

Das Auto, das ihm auf der Chaussee entgegenrast, der Staub, den es emporwirbelt, die Hupentöne, die es ausstößt — all das bleibt weit, weit unter ihm.

Er weiß nichts von der Erde, er sieht auch den Himmel nicht, nicht seine grüne Abendflut, die wie brennende, schmelzende Patina ist. Erst wie er in Tildes Zimmer steht, wird er erlöst aus seiner blutleeren Wesenlosigkeit.

Und wieder ist es ein Klagendes in ihren Augen, was ihn erdhaft macht. Keine Wehmut und Weichheit, die nach Mitleid ausblickt. Eine Bitterkeit, die sich immer mehr verhärtet, und die Härte als Hilfe braucht. Wie ein Trotz ist es aufgestiegen aus der Tiefe dieser Augen. Die schwere Arbeit der Tage, das Übermaß der Pflichten schmiedet ihres Wesens Metall.

Hilflos, wie verschüchtert sitzt wieder Gisbert vor ihr. Und wieder die Frage über ihm: was kann ich Dir sein? Ich, der ich mich verblutet habe — ich weiß es selbst — dem das Beste seiner Jugend, seiner jungen Kraft zerronnen ist — „Gedankenblässe“, das ist das Wort! Das ist der Stempel, den ich trage. Ein Schatten, ein Schemen, schwebe ich vor Dir. Und je tiefer sein feines Spüren in die Augen der Frau sich einsenkt — lebt in ihnen nicht eine fast zornige Forderung an das Leben auf?

Über wirtschaftliche Dinge spricht die Herrin mit ihm, trocken, geschäftlich. Dazwischen müde Pausen des Ausruhens und des Schweigens. Sie plant noch ein paar Neubauten und hat Budgetsorgen. Er kann sie nur anhören, kann nicht raten.