Jetzt erschien ein Trupp, der auf der Galerie Bewegung weckte. Siedler waren es, die von Hohenmoor zu Fuß gekommen, zehn Mann, Elbenfried und Eggert unter ihnen. Dankwart, der sich von seinen Tabellen nicht trennen konnte, und Gisbert, der im Dienst war, hatten Kunz bewegen wollen, mitzugehen. Der aber erklärte: „Politische Versammlung — nee Kinder! Lieber ’n Geburtshilfekursus in Ostgalizien!“ Pfiff seinem Muz, nahm die Büchsflinte und suchte zwischen Schnee und Mondschein jagdbares Wild.

Auf der Bühne versammelte sich jetzt das Komitee, Mitglieder der bürgerlichen Parteien, die wohlmeinend und ganz allgemein zu einer „Aussprache der Vaterlandsfreunde“ eingeladen hatten. Auch die Sozialisten hatten zwei Redner gemeldet.

Vorsitzender war Herr Holzhändler Dobbertien, ein ergrauter Demokrat guten alten Schlages, mit gesundem vaterländischen Empfinden. Treuherzig, gemütlich, gütig, gerecht, von erklecklicher Ruhe, der rechte Mann am rechten Platze — durften nur die Wogen nicht allzu hoch gehen.

Er eröffnete die Versammlung.

„Männer und Frauen“, begann er. Da unterbrach ihn quarrendes Kindergeschrei. „Und Kinder müßte ich eigentlich fortfahren. Aber das können Sie wirklich nicht verlangen. Wir sind hier kein Säuglingsheim. Ich muß Sie bitten, die Kleinen zu Bett zu bringen.“

Da klang es von der Galerie: „Die haben keen Kinderfräulein zu Hause“, und der erste Kampfruf, der erste Auftakt für die Feindseligkeiten hatte sich eingestellt.

Die Mütter brachten die Kinder hinaus. Der Vorsitzende sprach unbeirrt weiter. Sprach davon, daß es jetzt heiße, alle Mann an Bord — alle zu gemeinsamem Tun! Denn das Schiff sei leck gesprungen, die Stangen niedergebrochen — es treibe vorm Winde. Es müsse, müsse wieder segelfertig werden, müsse dem Steuer wieder gehorchen, sonst gerieten wir rettungslos auf Grund und müßten untergehen, allesamt. Und nur eine Hilfe gäbe es aus der großen Not, daß wir allesamt Hand anlegten zu gemeinsamem Werk. Allesamt, das wäre die Losung. So hätten sich hier heute aus allen Parteilagern deutsche Männer und Frauen zusammengefunden, die alle Zwistigkeiten vergessen wollten und Fühlung miteinander nehmen für die eine große vaterländische Aufgabe.

Der Ton dieser einfachen Ansprache war echt und warm. In diesem und jenem Frauenauge glänzte es feucht.

Die Worte hatten noch nicht ausgeschwungen, da sprang Dr. Stump in die Höhe.

„Darf ich ums Wort bitten — zur Geschäftsordnung!“