Und es peitscht ihn das Entsetzen vor der öden, schalen Geschlechtlichkeit — die Verzweiflung, daß er das Bild seiner Herrin in diesen Wust herabzieht. Das strahlende, heilige, beseligende Bild der Gnade!
Wie hat er zu ihm gebetet, zu ihm aufgesungen: Du bist die Geliebte meiner Seele. Nicht treibt es mich, mit den Blicken Dich zu fassen, das Auge in Dein Auge zu legen, mit Deiner Stimme mein Ohr zu füllen, Deine Finger mit der Hand zu umspannen. Nur wissen will ich Dich, nur wissen, daß Du bist, nur das Glück fühlen, daß Du lebst! Rühren Worte an die Herrlichkeit dieses Besitzes? Nicht einmal Gedanken!
Nun haben die Gedanken doch an sie gerührt — das Begehren hat nach ihr gegriffen, das gemeine Begehren.
Er ist fortgestürmt, hinein in die dämmernden Weiten. Der Dünensand hemmt seinen Lauf. Nun steht er atemlos — vor ihm schauert das Meer im Hauch der Nacht.
Und dort im Osten aus dem Dunst über der Flut hebt sich der Mond, dunkel, glühend, groß und tief. Drohend und schwül. Feindlich, grausam und böse. Wie ein Schicksalsspruch, wie ein Gericht über Sünde und Schuld, wie der Henker im Scharlachmantel.
Gesenkten Hauptes steht Gisbert. Er trägt den Leib wie eine Last. Dann hebt er sich auf, die Sterne sucht er, noch sind sie bleich — erst allmählich entzünden sie ihre Kraft, ihre Hilfe, ihren Trost. Jetzt aber haben sie die Macht ihrer Sprache. Und Gisbert liest die Verse des Firmaments, die Dichtung des Himmels, die Hymne der Nacht, der Allmutter Nacht. Und er ist daheim.
Der Nacht antwortet das Meer. Und alles klingt zusammen in dem großen Sphärengesang: Güte und Freude ist alles — alles geht aus von der Freude — alles geht ein in die Freude — gut, gut ist das Leben, gut ist das Ewige, ewig das Leben, ewig die Freude —
Der Mond ist emporgetaucht aus dem dumpfen blutigen Dunst — alles Böse hat er abgetan, er hat sein gutes helles Licht gewonnen. Ich bin die Güte, ich bin ein Freund! Und eine Straße baut er über die andächtig stille und ergebene Meerflut.
Gisbert ist am Strande. Zu seinem nächtlichen Bade entkleidet er sich. Vor seine Füße wallt diese leuchtende Straße. Wohin führt sie? Wohin will sie mich leiten? In das All und seine Freude —
Ja, Du strahlender, Du guter Weg — Dir vertrau ich mich an. Du kennst mein Ziel, Du offenbarst mir meine Bestimmung, meine Erfüllung und Vollendung. Abtun will ich meine Schlacken — der reinen Freude will ich ins Antlitz sehen —