Kunz schweigt. Wo hast Du Vita? will es ihm auf die Lippen. Aber dann denkt er, wie gleichgültig ist dies. Gegen das, was hier geschieht. Und sein Blick greift zu Horst hinüber. Der Pastor sieht diesen Blick, und schrickt zusammen. Was ist mit Kunz? Hier ist mehr als Schmerz und Klage um den toten Freund. Etwas Wildes, grausam Gewaltsames züngelt hier. Etwas wahnhaft Verbohrtes wühlt hier. Und wieder gewahrt er das in dem Blick, mit dem Kunz die neuen Gäste, die Schweden aufnimmt. Was geht hier vor?

Oberst Thorild und seine Tochter sind dem Pastor bekannt, Frau Tilde werden sie vorgestellt. Kunz löst sich von der Gruppe, um die ein gemeinsames Gespräch sich schlingt. Er starrt vor sich hin, in seinem Gehirn ist eine leere tote Stelle.

Dann schweifen seine Augen mechanisch über die Versammelten ringsum. Er sieht ein paar Gesichter, die ihm nicht gefallen — Bekannte, von dem Barackensturm her? Wie ein Schleier liegt es über allem.

Und dann doch die Frage: Was wollen die hier? Wie wach und hell hätte ihn früher dieser Gedanke gemacht. Wie hätte der all seine Kräfte angespannt. Jetzt schleichen sie träge. Nur, daß durch ihn das eine hinblitzt: führten sie doch etwas im Schilde! Käme es doch wieder zu blutigem Kampf! Nur Blut könnte hier heilen! Und würde hier alles zerstört und dem Boden gleich gemacht — vielleicht das beste! Besser ein ganzes Nichts als dies halbe Dasein des kümmernden Werks! Und er selbst wird in dem Untergang begraben und ist frei und erlöst, ist ledig aller Pflichten — aller Taten —

Ein Schleier liegt ihm über der Welt, ein rötlicher Dunst ist über den Dingen.

Der alte Torfmeister wuchtet zu ihm her — spricht gewaltig auf ihn ein — seine Ohren dröhnen, die leere Stelle in seinem Hirn füllt sich mit tosenden Schmerzen — er nickt benommen zu allem, was er hört, und weiß von nichts und starrt in die verschleierte Welt. Den Schleier zu zerreißen — mir liegt es ob!

Jetzt tritt Mulitz, der Polier, zum Bericht vor Horst. Es sei alles für die Feier vorbereitet. Wenn es recht sei, könne sie beginnen.

„Dann wollen wir also!“ bestimmt Horst. Wie matte Bronze ist sein Gesicht, verbissen sein Mund, um seine Augen sind Schatten, aber er ist fest und bereit.

Und bereit ist auch Kunz.

Zwischen Ingeborg und Oberst Thorild geht Horst, da sie nun alle zum Neubau wandern. Die beiden wissen, wie Schweres er trägt. Es ist abgemacht, daß sie gleich nach der Feier abfahren. Die Segeljacht ist bereit. Ihre Koffer haben sie gepackt. Aber sie wollen nicht daran erinnern, nicht davon sprechen.