Ein Todesschweigen über all den Menschen. Eine Stille ringsum, als halte die Welt den Atem an. Als drehe die Erde sich nicht mehr. Nur die schwarz-weiß-rote Fahne rauscht im Winde.

Der französische Kapitän, geschniegelt, kokett, bewußt, der Rangälteste und Wortführer, greift sich mit den Blicken Horst heraus, den er gleich als die leitende Persönlichkeit erkennt. Mustert ihn, in seiner deutschen Offiziersuniform, mit unverschämten Blick, von Kopf zu Füßen. Erklärt dann in einer Art leutseligen Gesprächigkeit: sie hätten heute am Sonntag eigentlich nur einen Vergnügungsausflug vorgehabt — à votre océan — und die Frechheit ist wieder obenauf. „Mais maintenant votre noir-blanc-rouge nous a attiré. On revient toujours — vous savez — à ses premières amours!“ Horst steht kühl, aufrecht, in voller Höhe vor ihm und würdigt ihn keiner Antwort. Sein Blick ist dem Franzmann unangenehm. Er weicht ihm aus und spricht jetzt herrisch und giftig: da sie nun einmal hier wären, wollten sie „das Nützliche mit dem Angenehmen“ verbinden — er schlägt mit dem Handstock seine Ledergamasche — und hier an Ort und Stelle gleich die Waffensuche vornehmen. „S’il vous plaît“ — wendet er sich an den Engländer, der schläfrig dasteht und aus seiner kurzen Shagpfeife pafft. Kaum hält er es für nötig, mit dem Kopf zu nicken oder ein „yes“ zu kauen.

Der Franzose sieht sich im Kreise um, er mustert das Publikum bei diesem Schauspiel, dessen Hauptheld er ist, da trifft von den Goldbergen her ein Flimmern sein Auge. Das Flugzeugmodell blitzt in der Sonne.

Er setzt den Feldstecher an. „Ah — un modèle d’aéroplane! voilà des essais, qu’il faut surveiller avant tout!“ Er wendet sich an den englischen Hauptmann — „vous arrange — t-il?“ — und schreitet auf die Höhe zu. Der Englischmann grunzt und bleibt an seiner Seite. Die Sergeanten folgen.

Horst auf anderem Wege überholt sie. Dies alles geht ihn natürlich zuerst an. Kunz ist an seinen Fersen. Der eiserne Ring, der ihm um die Brust saß, ist gesprengt. Eine neue Tonart spielt das Leben. Er kann wieder Luft holen. Er trinkt sie tief in sich ein. Bis in den Hals schlägt ihm das Herz.

Mit Dankwart zusammen nehmen Horst und Kunz die Feinde in Empfang.

Die Menge ist an den Fuß der Goldberge geströmt. All die Köpfe sind gehoben, all die Gesichter, die Augen glänzen auf zu der Höhe. In allen Herzen klopft es: was wird geschehen? Daß hier etwas geschehen wird, sie fühlen, sie wissen, sie fordern es alle. Und so sind sie einig, geschlossen, eine große Gemeinschaft in diesem einen Gefühl. Von Pastor Waermann, dem Freiheitshelden, bis zu Stahlboom, dem Kommunisten — in Frau Tilde, in Oberst Thorild, Ingeborg, dem Torfmeister, in allen Siedlern, allen Geladenen und Ungeladenen — in allen, allen pulsen die Nerven denselben Takt.

Auch in den frommen Wallern, die heute wieder erschienen sind — zuerst haben sie sich gesondert gehalten und ferne — in scheuer Andacht — wie eifersüchtig auf ihre Sehnsucht — jetzt rücken sie näher — und bald werden sie sich ganz dem großen Chore einverleibt haben. Ist nicht in allen dieselbe Not, dasselbe Gebet? Werden nicht die vielen vereinten Hände, geeinten Herzen am ersten das Wunder beschwören? Am ersten ein Zeichen erwirken? Ein Zeichen des Trostes, und wenn nur ein kleines, das Hoffnung gibt auf die Erlösung!

Da oben, eingespannt in den hellen, vollen, harten, wahrhaftigen Glanz der Sonne, stehen sie — deutsche Offiziere — feindliche Offiziere. Im Schmuck ihres Kleides, im Glanz ihrer Waffen, ihrer Ehren. Stehen sich gegenüber — Welt gegen Welt. Was wird geschehen?

Was entspinnt sich da? Der Kapitän besichtigt das Modell. „Instrument de guerre“, erklärt er. „Vous le briserez sur le champ moi présent!“