Horst schüttelte bedenklich den Kopf. Der Kasten wackelt, ganz lächerlich wackelt er. Wenn es so weiter geht, fällt er zusammen.
Immerhin erreichte die Ermahnung des Präsidenten, daß die meisten ihre Zigarre beiseite legten. Nur die souveräne Lebensart der Bergpartei lachte ob so zager Rücksichtnahme.
„Ich werde als ersten Redner jetzt Herrn Baron von Borkhus das Wort erteilen“, bestimmte der Versammlungsleiter. Das „werde“ war falsch. Es ließ Möglichkeiten offen.
Ein Murren rollte dumpf — dann durchschnitt wieder der unsterbliche Ruf „zur Geschäftsordnung!“ die sich spannende Atmosphäre.
Ein Sozialist erhob sich. Wir sollten doch nicht in den alten Fehler verfallen. Es gäbe keine Privilegierten mehr, und daß jemand, der der alten Oberschicht angehörte, den Vortritt vor den anderen Rednern hätte, entspräche nicht dem Geist der Zeit.
Mehrfache Bravos stimmten ihm zu. Aber gerade aus dem sozialistischen Heerbann erstand ihm ein Widerpart. Die Herren „vom überwundenen Standpunkt“ sollten sich nur zuerst aussprechen! Es wäre schon die richtige Anordnung: erst die alte, veraltete Zeit — dann die neue! Der das letzte Wort gebühre.
Und noch ein Dritter wollte hierzu reden. Horst schlug sich aufs Knie, daß es knallte.
Ein junges Mädchen, das neben ihm saß, machte eine unwillige Bewegung. Er hatte sie bisher gar nicht bemerkt. Jetzt wandte er sich wie zur Entschuldigung an sie: „Sind wir nicht wieder einmal unsäglich deutsch! Vor lauter Geschäftsordnung kommen wir nicht zum Geschäft.“
Ein Paar große Schwärmeraugen glühten ihm ins Gesicht. Ein heißer, höhnischer Mund sprach: „Deutsch ist mir ein zu unwesentlicher Begriff.“ Dann drehte die Sprecherin sich ablehnend zur Seite.
Eine Deutsche war sie — nicht die Spur eines fremden Lautes war in ihrer Mundart. Und nun diese leidenschaftliche Absage! In den Worten schlug Stahl auf Stein — wie sprühten die Funken!