Horst lehnte sich lächelnd zurück — womit hatte er solchen Zorn erregt? Und spürte den flammenden Odem einer fremden Welt.

Er besah sich die feindliche Nachbarin. Was mit den Augen, diesen brausenden Feuern, sich gegen ihn gewandt hatte, war ein ziemlich breites Gesicht gewesen, mit vollen Nüstern und fleischigen Lippen.

Wie zart dagegen, wie fein und edel die Linien des Profils. Ein Genuß, sie mit den Augen nachzuzeichnen. Der schlanken Biegung des Nackens zu folgen, bis zu dem schweren, dunklen Haarknoten.

Der ganz erlesene Geschmack ihrer schlichten schwarzen Kleidung zog die Gedanken noch lebhafter an.

Wer war sie?

Aus seiner Frage warf ihn ein Tumult.

Sie saßen immer noch in der Geschäftsordnungsdebatte. Da war in der anderen Ecke des Saales jemand aufgesprungen. War dann auf den Tisch gestiegen, eine junge, knabenhafte Gestalt, und eine helle, schmetternde Stimme verkündete: „Was treiben wir hier für Albernheiten! Was dreschen wir hier für Stroh!“

„Sie haben nicht das Wort“, rief eindringlich der Vorsitzende.

„Draußen stürmt der Geist der Zeit!“ gellte die Stimme ungestört weiter. „Die neue Revolution! Die volle Arbeit macht! Ohne die falsche verlogene Sentimentalität! Die uns die erste verpfuscht hat! Das Chaos brauchen wir! Für die neue Saat —“

Die Neugierde und Spannung hatte dem eigenwilligen Redner Frist gewährt. Jetzt drang der Unmut der Ordnungsliebenden durch. Die Glocke vom Vorstandstisch übertönte die schreiende Willkür des einen.