Hier fingen die Internationalen an, sich gemaßregelt zu fühlen, und ein schon lebhaftes Murren rollte dumpf durch den Saal.

Der Redner wußte, daß er ein heikles Gebiet betreten hatte, aber die Gefahr steigerte und stärkte ihn. Mit hoch erhobener Stimme führte er den Hammerschlag: „Und wir — wir Deutsche haben unsere Menschenwürde nur in unserem deutschen Empfinden!“

Das schmetterte nieder auf die empfindlich gewordenen. Ein dumpfes Aufstöhnen von Zorn und Wut — dann brandete lauter Unwille gegen die Rednerbühne. Die Geister erhitzten sich mehr und mehr und hetzten sich leidenschaftlich auf. „Menschenwürde“ — dies Wort wurde zum Verhängnis.

„Du willst von Menschenwürde reden!“ rief es von oben, und dann brüllte einer durch den Saal: „Du Würger!“

Jetzt hatten sie den Kampfruf, den vernichtenden! Und wieder schrie es: „Würger“ — und dann tobten sie da auf der Galerie im Chor und im Takt: „Würger!“ „Würger!“ „Würger!“

Borkhus zuckte zusammen, schmerzlich wild weiteten sich seine mächtigen Augen. Wie Messer stachen die Rufe weiter auf ihn ein, da die Tobenden sahen, daß er litt! Die Grausamkeit berauschte sich. Die Bestie hatte die Pranken gezuckt. Blutdunst legte sich auf die Sinne.

Alle hatte es aufgezogen von ihren Sitzen. Die einen zum Sturm, die anderen zur Wehr.

Eher als Horst war seine Nachbarin aufgesprungen. Ihre Glieder flogen, Stichflammen brachen aus ihren Augen, durch die Lippen ging ein zitterndes Schlürfen. Die ganze Gestalt war verzückte Gier. Ihm erschien sie fast als Dämon dieser Stunde.

Ihre Finger krallten sich um die Stuhllehne — im gleichen Augenblick brach und splitterte Holz auf dem Balkon — Borkhus, der unter der Wucht des furchtbaren Wortes sich gebeugt hatte, war jetzt aufgereckt — die Arme gestreckt, die Brust geweitet, wie zum Kampf trat er an den äußersten Rand der Bühne.

Da in tosendem Wettersturm brach es über ihn her, Trümmer von Stühlen prasselten von der Galerie auf ihn nieder, zerschlugen ihm Kopf und Gesicht — über Augen und Schläfen rann ihm das Blut.