„Der Aderlaß hat mir gut getan“, sagte er. „Meine Ischias hat sich verblutet. Ich kann laufen wie ein besserer Faßbinder.“

Und dann hatte er seine Tilde bei sich, seine Tochter.

Sie hatte etwas still Verhaltenes, fast mädchenhaft Scheues, diese schlanke, zarte, großäugige Frau, als sie den Herren gegenübertrat. Mit kindlich verlegener Bewegung strich sie die Strähne zurück, die aus ihrem reichen hellbraunen Haar sich löste.

„Was sagt die Welt,“ so erklärte der alte Herr die Sachlage, „die wildesten Gerüchte über mich verheeren das Land! Setzt sich dieses Mädchen nicht — und sie soll Haus und Hof hüten, denn ihr Mann ist nicht daheim — setzt sie sich nicht vor Morgengrauen in den Schlitten und läßt die Traber glattweg die fünfzig Kilometer fressen!“

„Es ist eine glänzende Bahn“, entschuldigte sich Frau Tilde. „Und auch, wenn wir die nicht hätten —“ sie faßte still ihres Vaters Hand.

Die drei jungen Männer musterten sich. Wie verändert sie waren! Welch ein Glanz auf ihnen lag, welche Farben sie trugen — von dem Wesen der Frau. Sie, die das harte, graue, lichtlose, lustlose Barackenleben einschloß. Nun rieselte es über sie von der hellen Wonne.

Und listig lauerte auch wohl jeder, wie die anderen ihre eigenen Farben spielen ließen, zum Werben. Nur daß Gisbert sich schnell und ganz begrub in die Märchenferne dieser Frauenaugen.

Worüber sprachen sie bei Tisch? Über Deutschlands Wunden, in der Andacht ihres Schmerzes. Von ihrer Unfreiheit, ihrer Knechtschaft, ihrer Schmach. Frau von Mönkhov sagte: „Nun haben wir es nicht mehr, das stolze Wort: mein Haus ist meine Burg. Jetzt müssen wir uns schon an Meister Ekkart halten, der uns lehrt, daß unsere Seele unser Bürglein sei.“

Wie schwang und klang es in Gisbert auf. Welch ein Lichtband schlang sich um ihn und diese innige Frau.

Horst aber gab seine harte Zweckmäßigkeit darein: „Nur sollen in diesem Bürglein nicht zu viel der frommen Träume umgehen.“