„Ihnen ist es ums Schaffen. Mir auch. Aber das bleibt nun die Wahrheit: produktiv sind wir nur solange als wir religiös sind.“

Kunz aber kaute schon wieder an seinem Zorn. Daß wir uns vor lauter Geistigkeit nicht zu lassen wissen, das ist unser Verderb!

Und der alte Herr, in einer Art mitleidiger Angst, meinte: „Gut, daß Achim, Dein Mann, Dich nicht hört!“ — Für den war Religion das rote Tuch. „Religion, so nennen die Menschen ihre Alterserscheinung —!“

Mit Achim von Mönkhov kamen sie zu den Tagesereignissen. Er hatte seinen Koch auf den Schub gebracht, und der spielte jetzt in der Kreisstadt unter den Radikalsten eine Hauptrolle.

Der Vater wollte Einzelheiten hören. Hier griff die Politik in die Familie. Zögernd und ungern erzählte Frau Tilde. Der Mann sei von Tag zu Tag aufsässiger geworden, bedrohlich zuletzt. Da habe ihn Achim kurzerhand hinten am Rockkragen genommen, ihn vor sich her immer mit steifem Arm, zum Hause hinaus über den Hof bis zum Tor geschoben. Und ihm unterwegs in seiner eiskalten Ruhe gesagt: „Zum Lohn für Ihre unvergessenen Wildpasteten besorge ich dieses eigenhändig.“

Die Zuhörer wollten dies als ein sehr sauberes Stücklein gelten lassen. Tilde aber schüttelte ablehnend den Kopf. „Nichts auf der Welt macht so böses Blut wie diese üblen Handgreiflichkeiten. Und wollen wir uns untereinander denn immer mehr erbittern!“

Ihre Augen möchten der Märtyrerkrone ihres Vaters liebes erweisen. Aber dann erschrak sie vor dem Schatten in seinem Blick. Und der Gedanke an seine eigene schwere Tat trübte ihr den Sinn. War es nicht die wildeste aller Handgreiflichkeiten, was auf ihm selber lastete?

Aber schon war Kunz zur Stelle. „Gnädige Frau, es gibt einen alten niedersächsischen Spruch:

„Wur all dat anner beden nich düest,

dor beden am besten de beiden Füest.“