Und verlegen fühlte er sich zu Kunz zurück, dem Freunde, dem so anders beflügelten, aber dem Freunde doch. Der ihn liebevoll aufnahm mit offenen Augen, wenn auch der lächelnde Unmut nicht schwieg. Die Lotosblume! Kann das Leuchten nicht lassen!

Frau Tilde horchte in sich hinein. Da in der Tiefe läuteten dieselben Glocken. Sie hatte es bisher vermieden, in der Scheu vor dem Gleichgearteten, dessen sie auf den ersten Blick sich bewußt war, Gisbert die Arme aufzutun. Jetzt aber, wo der Gleichgestimmte Zeugnis ablegte, umfaßte sie ihn mit einer Art wehen Zärtlichkeit und blieb an seiner Seite.

„Ich fühle wie Sie“, sagte sie einfach und fest. „Und was die Zeit auch von uns fordert, es ist etwas da, was über der Zeit ist. Dahin schauen wir, dahin ziehen wir —“

Horst sprach: „Wir wollen uns die Sterne nicht nehmen lassen. Auch sie gehören zu der Erde. Aber der Festtag sind sie. Und heute, wenn wir unser Leben leben wollen — auch den Festtag müssen wir zum Alltag machen! Es gibt keine Feste!“ Hart, eng, unerbittlich und rauh wurde Ton und Gedanke. Er stockte und schwieg.

Kunz aber packte unter dem Tisch seine Hand. „Es gibt keine Sterne! Solange es kein Deutschland gibt, gibt es keine Sterne!“

Und das Zeugnis dieser Schwurgenossen, lauter, näher, trotziger als jene Seelenrufe und voll Bitternis, es blieb Herr über die Geister. Sie alle bannte es, denn in ihnen allen war das zitternde Schwingen der einen Not.

Herr von Borkhus brauchte Ruhe. Die Gäste brachen auf.

„Müßte ich nicht morgen wieder nach Hause,“ so wandte sich Frau Tilde an Horst, „würde ich mir Ihren Bau einmal ansehen. Und Ihre Kartoffelsuppe probieren. Und Ihnen“ — jetzt kam Kunz an die Reihe — „würde ich aus unserem Handwerkskasten einen Hobel mitbringen.“

„Für mein Fell oder für meine Seele?“ gab der zurück und verbeugte sich lächelnd.

Gisbert bekam keine Munterkeit zu hören, ihm gab sie nur still die Hand.