Kunz, der von der Kavallerie her kam, war ein gewiegter Roßtäuscher und jedem Pferdeschmeißer und Viehhändler gewachsen.
Gisbert ging an die See. Der abnehmende Mond, schwer in dunklem Gold, stieg aus der Flut. Langsam, wie lastend, rollte der rote Schein über die gebändigten Wellen. Wie in Trunkenheit wiegte sich die leise Brandung, erschrak, wenn sie rauschte, und gewann das Schweigen.
Die helle Nacht trank alles in sich auf, was noch sprach und flüsterte. Alle Stimmen, alle Schwingungen der Welt mündeten in die große Sternenstille.
Und Gisbert, was er mit sich trug, was ihn erfüllte und quälte und bewegte, was in ihm klagte und jubelte — es löste sich ihm alles in die lichte Unendlichkeit dieser hohen Ruhe.
Was die letzten Stunden ihm geschenkt hatten, das Wissen von dieser Frau, ihre Nähe, die Gemeinschaft mit ihr — „ich fühle wie Sie,“ so hatte sie gesprochen — das alles blieb nicht in der Verzückung und in der Begehrlichkeit des Rausches. Es stieg auf aus der Tiefe, befreite sich von der Blutwärme, von dem Zittern der Sinne, verklärte sich in diesem reinen kalten Licht über dem Leben und ging ein in das All.
Und unter Schauern wird es ihm gewiß, ich habe den Weg, die Bahn steht mir offen — ich kenn’ es und kann es, das „Stirb und Werde“!
So stand er, verzaubert.
Dann aber, als wäre es ihm um diese Sicherheit gewesen, zerbrach er die Starrheit, reckte die Arme, und da er zurückschritt über die Heide, sang seine Jugend ihr Lied.
Sang das Lied dieser Frau.
Hier meine Hand — ihre Finger haben sie umschlossen. Meine Hand — sieh, Mond, du lieber, dummer, du gescheidter, meine Hand ist dies! Meine glückselige Hand ist dies! Siehst du, wie sie leuchtet! Und so leuchte ich selbst! Ganz und gar leuchte ich so.