Die Dämmerung fiel schon ein, als die beiden weidlich verdrossen, den Fuß auf Moorhofer Gebiet setzten. Die Abendsonne hatte sich in den Nebeln überm Moor verblutet. Von den schneeigen Feldern zogen hungrige Krähen müden Fluges nach dem Kiefernwald, bäumten dort auf und richteten sich klagend und frierend ein für die Nacht. Da hinten die See hauchte eisigen Daak über Dünen und Heide.

Horst war ungehalten über den verlorenen Nachmittag. Er mußte noch etwas ausrichten, so konnte er nicht nach Hause. Das Moor da unten beschäftigte ihn.

„Ich will jetzt doch endlich mal den alten Torfmeister aufsuchen. Kommst Du mit, Kunz?“

„Alte Torfmeister sind mir zu wenig Sonntagsvergnügen. Ich werd mich aufs Stroh werfen und lesen.“

Sie trennten sich. Kunz ging geradeaus weiter nach der Baracke zu, Horst bog links ab die Straße, die am Dorf vorüberführte.

Aus dem Boden stiegen die Nebel, vom Himmel fielen sie, das Wasser, das Moor sandte sie her — so schlugen sie über dem Schreitenden zusammen. Voll Klage und Schauer war die Welt. Unbändiger als je zwang die Schwermut ihn nieder. Er fiel in seine dunkle Stunde. Das wozu? und wofür? saß ihm an der Kehle. War nicht doch alles umsonst und alles verloren?

Was hockt er hier — in diesem kümmerlichen Tun! Was wird damit geschafft? Was helfen all diese armen Kleinigkeiten, wo selbst das Große uns nicht retten könnte! Das Große! Wenn wir es hätten! Wenn es aufstünde unter uns, das Gewaltige, Allbezwingende, das im Sturm uns fortreißt, in dem einen machtvollen Fühlen und Glühen! Uns alle, alle — das Befreiende, die heilige Flamme, das heilige Licht —!

Was würde geschehen mit diesem Großen? Würden wir selber es dulden? Würden wir selber es uns nicht in Stücke zerschlagen!

Wir Deutsche — wir Deutsche! Wir die ewigen Vandalen an uns selbst! Wir, die geborenen Zertrümmerer unserer eigenen Größe.

Deutschland, das ewige Trümmerfeld — nach unserem eigenen fluchbeladenen Willen.