Wozu bauen, was wir selbst doch wieder einreißen!

Und was ich hier bauen will — ist es nicht Kinderkram, wie aus der Spielzeugschachtel! Was soll der Tand! Was soll der nützen! Ein Beispiel sollte es sein, ein Gleichnis, ein Symbol — ja —

Aber ein Symbol der Arbeit? Wer will das! Wer leistet dem Gefolge! Nehmt das goldene Kalb und setzt die Dirne drauf oder den Magier, den Geisterbeschwörer von Geschäft, und ihr habt die Leidenschaften der Zeit mit ihrem Heerbann.

Was kaure ich hier unter dem Schutt! Ein Fremder in meinem Vaterland. Warum dann nicht lieber hinaus in die Fremde! Nach dem Süden, dem purpurnen! In die Klarheit des Nordens! Nur, daß man sein Brandmal trägt, den Galeerenstempel! Die Peitschenstriemen auf dem Rücken! Ein Deutscher — wehrlos, ehrlos. Wer will ihn! Welches Land öffnet ihm seine Grenze!

Vom Leuchtturm auf der Halbinsel ruft das Nebelhorn — Töne fernher, wie aus anderer Zeit, aus anderen Welten. Stöhnende Stimmen von Urzeitriesen, Flüche, Verwünschungen, Todesschreie. Vor mir, um mich das Niflheim! O ging es hinein in das eisige Vorweltchaos!

Wie ein Ertrinkender erlebt er noch einmal sein Leben.

Die jubelnde Jugend unter den strahlenden Augen, der fröhlichen Klugheit der Mutter, die gesammelte Kraft des Soldatentums, trotz all dem Kleinlichen und Lachhaften die ganze Größe des „ich dien“. Die Jahre auf der Kriegsakademie in Berlin, wo Kunst und Liebe ihn so reich beschenkten, und reich auch die stille Lampe bei seiner Wissenschaft. Oft haben ihn die Kameraden „Schuster“ gescholten, wenn er des Wüsten und der Ausgelassenheit satt in seiner Werkstätte sich einschloß. Und gerne saß er bei seinem Leisten, der Kriegsgeschichte. Eine Monographie von ihm über die Schlacht von Saalfeld wurde gedruckt und trug ihm brieflichen Verkehr mit Universitätsprofessoren ein. Dann hatte die Strategie des Großen Kurfürsten es ihm angetan — da kam der Krieg.

Der Krieg! Der Krieg! Und nun riß das Grandiose, das Glorreiche, das Ruhm- und Weihevolle — ja, ja, das ist es bei allem, das bleibt es bei allem, und dafür leben und sterben wir! — wie riß es ihn plötzlich aus seiner Verlorenheit in Nebel und Not!

Und jetzt kroch er nicht mehr, er ächzte nicht mehr — er hatte den Kopf wieder hoch und schalt sich aus. Schäm dich, Horst Oldefeld — Neurastheniker mit Nebelhornbegleitung! Nun faßt du wieder Schritt und tust, was du sollst und mußt — und glaubst an dein Müssen — und läßt die Ausflüge ins Niflheim und in das eisige Urweltchaos. Du bleibst hübsch säuberlich auf deutschem Grund in deinem Arbeitsschritt, du bleibst in deiner Pflicht. Und wenn du das Kleine schaffst, denkst du, daß aus Kleinem Großes wird, daß darum das Kleine mehr ist als das Große! Siehst du! Und das denkst du, lachend und zufrieden! Und bist einer und dünkst dir was! So, mein Junge, und jetzt ist es Abend, du darfst ausruhen und müde sein. Die Tagesfahrt hat dich enttäuscht — sind nicht Enttäuschungen die Schwungfedern des Erfolges?

Und ist dir für heute nicht noch etwas Sonderliches beschieden? Ein Sonderling steht dir bevor, der Erdgeist dieses Landes, der Schatzgräber, der die alten Geheimnisse des Moores ans Licht bringt, zugleich der Totengräber des Kirchspieles, der neue Geheimnisse in die Erde senkt. Lud Uhlenbrook, Torfmeister und Friedhofswärter seines Zeichens. Ein besonderer Mann.