Wohl muß man sich traumhaft feierlich stimmen, ihm zu begegnen. Und die Brille zur Hand haben für Geister und Gespenster.
Sind wir nicht hier an der Kirchhofsmauer? Jetzt steigt die Straße, jetzt kann man hinüberblicken.
Schwer hängen Dämmer und Nebel in den Sträuchern, den kahlen Ulmen, den bereiften Edeltannen und ersticken das matte Schneelicht, das noch von den Gräbern und Wegen aufsteigen will.
Was huscht da und flattert zwischen den Grabhügeln? Ein Körperliches? Ein Schatten? Verschwindet hinter den Bäumen — schwebt wieder aus dem Nebel — eine irrende Seele —? —
Eine schwarze Gestalt — jetzt hält sie der Blick — eine Frau —
Horst kommt an der eisernen Pforte vorbei — da tritt die Gestalt von innen an die Kirchhofstür und rüttelt an den eisernen Stangen. Eine Gefangene der Totenstätte — —
Er geht hinzu. „Ich hab mich verspätet — man hat mich hier eingeschlossen!“ sagt die Stimme von drüben, mehr ungehalten als ängstlich und bittend.
Ein bekannter Klang — und jetzt sieht er die Züge: die Dame von der Versammlung ist es.
„Ich werde den Schlüssel besorgen“, sagt Horst mit schneller Bereitschaft.
Bei ihr ein Zögern. Sie betrachtet sich die Pforte, den Mauerpfeiler. „Wenn Sie mir helfen wollen, komme ich so hinüber“, erklärt sie kurz entschlossen.