Er reicht ihr die Hand, sie setzt den Fuß zwischen die Stäbe, dann auch den anderen — Horst stützt und streckt den Arm — sie klettert auf die Mauer — beugt sich — legt die Hände auf seine Schultern und springt zu Boden. Das alles in einer kühlen Ruhe, ohne betonte Zurückhaltung, ohne regere Verbindlichkeit.

Einfach spricht sie ihren Dank, verneigt sich und wendet sich nach der Chaussee, die zur Stadt führt.

„Es wird unheimlich dunkel — und eine Dame jetzt allein den weiten Weg —“ er ist an ihrer Seite.

„Mir tut niemand etwas.“

„Wenn ich Sie begleiten darf —“

„Das ist sehr freundlich. Aber ich kann wirklich allein gehen.“

Hierin ist nun, bei aller Gelassenheit des Tones, die deutliche Ablehnung. Horst verbeugt sich und wandert seine Straße. Ein wenig beschämt — ein wenig ärgerlich, über sich, über sie. Aber dann schilt ihn nur noch die Ungehaltenheit über sich selbst.

Aufdringlich — ja, ja — er ist es gewesen und ist ihr so erschienen. Immer dieselben Funken, wo die beiden Geschlechter in Spannungsnähe geraten. Die Eitelkeit entzündet sich, die Eroberungslust, die Habsucht.

Hatte er es nicht ausnutzen wollen, daß er ihr den Dienst erwiesen?

Gewiß, sie hat etwas, was ihn reizt. Ihre Persönlichkeit, die schleierhafte Persönlichkeit —? Natürlich das Weib! „Persönlichkeit“ — auch so einer von diesen Zauberapparaten, mit denen wir uns selbst Kunststücke vorführen!